Christian Britscho neuer RWA-Trainer
Bild: Wegener
Polizeibeamter von Beruf und nun oberster Ordnungshüter bei RW Ahlen: Trainer Christian Britscho kümmert sich seit gestern federführend um die Oberliga-Elf. Ein Assistent für den 48-Jährigen steht derzeit noch auf der Fahndungsliste des Clubs aus dem Wersestadion.  
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Der 48 Jahre alte A-Lizenz-Inhaber lässt sich – noch nicht – in die Karten schauen, sondern mustert mit wachen Augen die neue Umgebung. 

„Offensiv und attraktiv sagt ja jeder“, antwortet der Polizeibeamte auf die Frage nach seiner Spielidee. Britscho ist allem Anschein nach eher Analytiker und detailversessener Macher – kein Lautsprecher und Sprücheklopfer, der mit Fußball-Plattitüden punkten will.

Das hat er nicht nötig nach vielen Jahren als Jugend-Verantwortlicher beim VfL Bochum und beim Wuppertaler SV. Letztgenannten Club aus dem Bergischen Land hat er als Seniorenchef in der Vorsaison auf Platz drei der Regionalliga West geführt, ehe er Anfang September den Hut nehmen musste. Rang zehn nach sechs Spielen war den WSV-Vorderen zu wenig.

Seine Leidenschaft „eine Mannschaft zu entwickeln und nach vorne zu bringen“, kann er jetzt bei den Rot-Weißen ausleben, die aktuell Oberliga-16. sind. „Ich will Türen aufmachen, durchlüften, und ich verspreche harte Arbeit. Darauf können sich die Jungs verlassen“, betont Britscho.

Obwohl er noch kein Spiel seines künftigen Teams gesehen und noch keine Gespräche mit Spielern geführt hat, ist er im Bilde. Aus unterschiedlichen Quellen hat er sich Informationen beschafft – und erhielt Unterstützung von RW-Abteilungsleiter und Interimstrainer Angelo Daut.

„Ich kenne Christian seit sieben Jahren“, sagt Daut und erinnert an die gemeinsame Zeit beim VfL Bochum, wo Britscho sehr früh das Talent eines gewissen Leon Goretzka erkannt hat. Dieses Gespür für junge Spieler passe laut Daut prima in das RW-Anforderungsprofil.

Sein Rüstzeug in Sachen „Moderne Trainingsmethodik“ hat Britscho unter anderem als Leiter des DFB-Jugendstützpunktes Herne erhalten. Er ist aber eben nicht nur auf Talentschulung festgelegt. „Da kannst du was bewegen“, habe er sich gedacht, als das RW-Angebot kam, erklärt Britscho – und lächelt vielsagend.

„Ich will mit allen Spielern sprechen“

Man traut Christian Britscho zu, auch im „Fall“ Cihan Yilmaz die richtigen Worte zu finden. Der Führungsspieler hatte gegen den zurückgetretenen Trainer Michael Schrank verbal heftig nachgetreten („Die Glocke“ berichtete).

Den Leitwolf einzufangen, wird eine der heikleren Aufgaben für Britscho in den kommenden Wochen sein. Bei der Frage nach möglichen Konsequenzen für Yilmaz hält sich der neue Trainer zurück und überlässt dem Vorsitzenden Dirk Neuhaus das Wort. „Das werden wir intern besprechen“, teilt der Vereinschef kurz und bündig mit.

Die Vermutung liegt nahe, dass die Attacke des Spielers vielen in der RW-Familie gegen den Strich gegangen ist und eine wie auch immer geartete Strafe im Raum steht.

Selbstverständlich wird auch Christian Britscho dabei buchstäblich ein Wörtchen mitreden: „Ich will mit allen Spielern sprechen, in deren Gefühlswelt eintauchen und mir ein klares Bild machen“, kündigt er an. Unter Umständen wird er das auch mit einigen Zugängen tun, die beispielsweise die Torausbeute verbessern sollen.

„Wir halten die Augen offen“, verspricht Angelo Daut. Neuverpflichtungen seien aber nur sinnvoll und vermittelbar, wenn sie tatsächlich zu einer höheren Kaderqualität beitragen.

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