Demokratisch, praktisch, gut - oder?
Christopher Heermann (r.) klärt in der Luft. Wie wird sich Ahlens Abwehr unter Bonner Druck bewähren?

 Aber die Rotweißen treten derzeit ja öfter so auf, dass sich Laien wundern und Fachmänner staunen. Also darf auch ein „Anti“ mal irren. Obwohl: Der Aufsteiger Bonner SC nötigt Respekt ab. „Unglaublich schnelle Außen“, hat sich RW-Trainer Mircea Onisemiuc notiert, und Manager Krug lobt: „Brutal starke Offensive.“

 Na ja, Ahlen hat immerhin schon zehn Treffer auf dem Konto, die „brutale Offensive“ des Gastgebers vom Sonntag erst sechs – bei fünf Gegentoren. Machbar, sollte man meinen.

Doch Krug warnt angesichts des Bonner Druckspiels: „Wenn wir da so wie in Wiedenbrück spielen, dann erleben wir das nächste Waterloo.“ Gemeint ist vor allem, dass die Spieler frei entscheiden sollten, ob sie weiterhin das heikle Kurzpassspiel in eigener Hälfte pflegen oder in Bedrängnis doch mal einen Befreiungsschlag raushauen. „Der Trainer hat das nicht verboten“, stellt Krug klar, dass man in Ahlen eine bedingte Fußball-Demokratie betreibt, die allerdings Praktiker mit reifem Taktikverständnis voraussetzt.

 „Meine Jungs haben die nötige Technik dafür“, hat Onisemiuc weiterhin Vertrauen, auch, wenn SC-Kollege Daniel Zillken sicherlich schon längst das rotweiße Spiel studiert hat. Was Onisemiuc herzlichst schnuppe ist: „Wir können das auch unter Druck.“ Dafür spricht, dass auch der hoffnungsfrohe Neue, Nurettin Kayaoglu, spielberechtigt und die Abwehr stabilisieren kann, falls die Zeit zum Einspielen reicht.

Besser ist’s, denn Rechtsverteidiger André Witt hat abgesagt – er heiratet. „Der hat jetzt was anderes im Kopf als Fußball“, nickt Joachim Krug. Und seufzt. „Daran sieht man, was wir noch für Amateure sind, in anderen Vereinen gäb’s das nicht.“ Ein Termin zur Hochzeit in die Saison legen, tja, da staunt der Experte ein zweites Mal.

Mit Kayaoglu nach Bonn

 Wenn Manager Joachim Krug davon spricht, dass „die Mannschaft über die Saison eine gute Qualität entwickeln wird“, dann auch deshalb, weil die jetzt einen neuen Namen hat: Nurettin Kayaoglu.

Der Abwehrallrounder war zwar schon länger angekündigt (wir berichteten), glücklich macht es die Verantwortlichen dennoch, dass der 24-Jährige jetzt für ein Jahr in Ahlen unterschrieben hat. Denn neben Emre Yesilova und René Klingenburg zählt Kayaoglu zu den Transferschwergewichten für die Regionalliga. Beim MSV Duisburg wurde der vielseitige Defensivspieler nach dem Abstieg in die 3. Liga in die ungeliebte Oberliga-Reserve versetzt - und ging.

 „Vom Kopf her ist Nurettin aber höher anzusiedeln“, sagt Krug und freut sich, dass sich Kayaoglu nach ein paar Wochen Bedenkzeit, um sich noch (vergeblich) woanders umzutun, „von selber in Ahlen zurückgemeldet“ hat. Kayaoglu wurde beim FC Schalke 04 ausgebildet, spielte in der Türkei in der ersten und zweiten Liga und kam und für die türkische U 21-Nationalmannschaft zum Einsatz.

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