Die Leidenschaft eines reichen Lebens
Ein Macher, Lehrer und Routinier: Der Tod Bernd Kruses hat seine Freunde und Wegbegleiter erschüttert.

  Und Generationen von Unparteiischen haben von ihm gelernt. „Nun hat ein großes Fußballerherz aufgehört zu schlagen“, trauert Manfred Mielczarek um seinen Freund, ja, fast schon Bruder. Der jetzige Kreisehrenvorsitzende hatte Kruse vor über 50 Jahren kennengelernt, seitdem verband die beiden immer mehr als nur die Arbeit im Fußballkreis Beckum.

 „Bernd war immer ruhig, sachlich. Mit ihm bekam man keinen Krach, aber er war standhaft in seiner Meinung“, ehrt Mielczarek den Menschen und das Lebenswerk. Es geht ihm nicht allein so. Kollegen und Wegbegleiter waren tief getroffen vom Tod Kruses, der am Sonntag, sechs Tage nach seinem 67. Geburtstag, nach schwerer Krankheit verstorben ist.

Mit Menschlichkeit und Fachwissen führte der Vorsitzende des Kreisschiedsrichter-Ausschuss über 30 Jahre seine zeitweise bis zu 130 Unparteiischen, die er auch mit seiner Routine überzeugte. Denn kaum ein Amt, das Kruse in über 40 Jahren Kreisarbeit – vom Beisitzer, Obmann oder 2. Vorsitzenden – nicht ausgeübt hat, kaum eine Ehrung, vom Ehren- und Verdienstnadeln vom DFB, FLVW oder vom Kreis in Silber und Gold, die er sich nicht hätte an sein Revers stecken können.

 Aber die Hauptquelle seiner Überzeugungskraft war die Erfahrung, die der Beckumer als aktiver Schiedsrichter mit in die Arbeit einbrachte. Mit blutjungen 16 Jahren schrieb er schon die Protokolle in den Kreisversammlungen, entdeckte seine Freude am Schiedsrichterwesen und arbeitete sich von ersten Spielen ab der C-Jugend bis in den 80er-Jahren zur 1. und 2. Bundesliga hoch. Beim Europapokal, bei der EM-Qualifikation oder im EM-Halbfinale der U21 stand er zwischen 1985 und 1987 an der Linie. Kein Wunder, dass Kruse später, von 2003 bis 2007, auch im Arbeitskreis „DFB net“ mitgewirkt hat.

„Schiedsrichter lernen, Situationen schnell zu erfassen, Entscheidungen zu treffen und Menschen zu führen“, hatte Kruse immer für seinen Sport geworben. Er selbst war das beste Beispiel dafür, wie die Leidenschaft eines reichen Lebens einen guten Menschen prägen kann.

Bernd Kruse hinterlässt seine Frau, drei erwachsene Kinder und sechs Enkel. Am Samstag erfolgt die Bestattung in der Familiengruft auf dem Beckumer Friedhof.

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