Dolmetscher fürs Nebulöse gesucht
Kampf um die Wahrheit: die Dolmetscherin Gamze Dedehayir, Vater Ali Ekber und sein Sohn Burak Mentes.

 Jemand Neues musste her, um die Aussagen von Ali Ekber Mentes in deutsche Mundart zu übertragen. „Wenn der 40 Sekunden redet und ich höre dann nur ein ‚Ja‘ übersetzt, ist doch was nicht richtig“, schwante Verteidiger Christian Grotenhöfer eine gewisse Flapsigkeit. Was wiederum die Dolmetscherin auf die Palme brachte. „Das war alles korrekt, das hat auch der Zeuge Burak Mentes bestätigt“, schwante Gamze Dedehayir, die selbst Jura studiert, was ganz anderes: prozesstaktische Gründe.

Wie auch immer: Was die nächste Türkisch-Fachfrau von den Aussagen Papa Mentes am Montag fürs Ahlener Amtsgericht verdeutschte, war auch nichts anderes als das, was man vor der eineinhalbstündigen Verhandlungspause längst gehört hatte.

 Ganz zuvörderst: der alte Beratervertrag zwischen dem Angeklagten Günes und dem Kläger und Fußballspieler Burak Mentes ist nach einem Umzug in den Berliner Kellergewölben der Familie Mentes glattweg verschollen. Blieb also das eher schwammige Gedächtnis der Zeugen im Betrugsfalle um die 3 500 Euro, die Günes für ein Auto der Familie aus der Tasche geleiert haben soll (die „Glocke“ berichtete).

 Was also stand drin, im Vertrag, von dem Günes nur eine umstrittene Kopie vorgelegt hatte? Womit sollte Günes vergütet werden? Nach vier Jahren, die seitdem ins Land gegangen sind, wäre eine Erinnerungs-Dolmetscherin recht praktisch gewesen, denn ohne Original-Kontrakt blieben die Aussagen nebulös.

 Michael Lorenz, ein Berliner Polizist und ehemaliger Jugendtrainer von Mentes, dem der Vertrag mal am Telefon vorgelesen worden war, meinte, sich noch an zehn Prozent Günes-Anteil am Brutto-Einkommen (Amateur) erinnern zu können. Vater Mentes hingegen glaubte ebenso wie sein Sohn Burak, es seien „drei oder sieben Prozent“ gewesen. Auf keinen Fall 250 Euro pro Monat oder 30 Prozent bei einem eventuellen Profi-Vertrag: „Welcher Fußballer zahlt seinem Berater schon so viel?“

Tja, wer weiß das? Vielleicht ein Fachmann von Deutschen Fußballbund (DFB)? So jemand soll am 23. Januar vorbeischauen, um seine Experten-Meinung abzugeben. Dem Vernehmen nach kommt der aber ohne Dolmetscher aus.

Weitere Termine: 31. Januar, 6. und 20. Februar.

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