Einspruch: Herne gibt Ahlen die Schuld
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Polizei gegen Chaoten: Wie hier auf diesem Beispielbild aus dem Dortmunder Umfeld droht jederzeit die Eskalation. „Es ist sehr schwer zu entscheiden, wohin wir unsere Beamten schicken“, sagt Kreis-Polizeisprecher Martin Schnafel.
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 Sascha Loch, Vorsitzender der Westfalia Herne, bemüht einen Tag nach dem Chaostag im Spiel gegen RW Ahlen die verbale Grätsche. „Die Ignoranz des Ahlener Vorstandes muss bestraft werden“, geht er in die Vollen. „Der hat grob fahrlässig gehandelt, und die Polizei schon vorsätzlich entsprechende Hinweise ignoriert.“

 Westfalia Herne hat aufgrund dieses Vorwurfes Einspruch gegen die Wertung des Spieles eingelegt. Die halbstündige Unterbrechung der Partie, die ganz allein Ahlen anzulasten sei, habe die Mannschaft völlig aus dem Konzept gebracht. Oberliga-Staffelleiter Reinhold Spohn bestätigte auf Nachfrage der „Glocke“ den Eingang des Protestes, der nun an die Verbandsspruchkammer weitergeleitet wird. Aber nicht nur den: Auch die Ausschreitungen selber werden zusätzlich „wahrscheinlich mündlich in Kaiserau verhandelt werden“, so Spohn, der sich aufgrund des schwebenden Verfahrens einen Kommentar verkneift.

 Ganz im Gegensatz zur Fraktion aus Herne, die am Montag vorsorglich in die Offensive ging. Loch wirft der Polizei und den Ahlener Verantwortlichen ein komplettes Versagen vor. Die Chaoten, die wohl aus Bochum angereist waren, seien in der Ahlener Innenstadt von RW-Fans mit Steinen und Flaschen beworfen und so überhaupt erst provoziert worden. „Ihr Block war noch geschlossen, also sind sie in die Stadt gegangen, um sich etwas zu trinken zu kaufen“ weiß Loch.

Außerdem sei RW Ahlens Vorstand und die Polizei zehn Tage vorher über den Besuch der Hooligans informiert worden, selbst die Namen seien bekannt gewesen. In dieselbe Kerbe schlägt Hernes Trainer Hans Bruch. „Das ist ein Problem der Ahlener. Das waren Leute, die ich aus Herne nicht kenne, sondern wohl befreundete Bochumer,“ schilderte er. „Dass zwei Busse aus Herne mitkommen, war ja bekannt, dafür war zu wenig Ordnungspersonal da.“

Stoffers: „Eine absolute Frechheit“

Ahlen (uwe) -  Die Attacke aus Herne traf RW Ahlen gestern morgen unvorbereitet. „Ich hab erstmal laut gelacht“, war die erste Reaktion des Marketingleiters Lutz Kuligowski, als er vom Einspruch gegen die Spielwertung gehört hatte. Mit all den Konsequenzen samt zwei Verhandlungen vor der Verbandsspruchkammer ist es aber möglich, dass dem Verein noch das Lachen im Halse stecken bleibt.

 Immerhin beginnt nun sofort die Sicherung der möglichen Beweise und Argumente, um gegen die Herner Vorwürfe gewappnet zu sein. Wobei auch der Polizei eine größere Rolle zukommt.

 Dass man von den Bochumer Kollegen einen Hinweis bekommen habe, bestätigt Polizeisprecher Martin Schnafel. „Aber es gab weder Namen, noch hatten wir klare Hinweise auf gewaltbereite Fans.“ Also hatte man sich auf einen „kleinen Einsatz mit einem kleinen Aufklärungstrupp“ vorbereitet. Erst nach dem Hinweis auf die angetrunkenen Randalierer im Ahlener Osten habe man die Bereitschaft aus Münster angefordert.

„Was der Herr Loch behauptet, ist eine absolute Frechheit“, ist Geschäftsführer Gerald Stoffers entgeistert. Schnell hat das Video aus der Überwachungskamera vor dem Stadion gesichert, das beweisen soll, dass die Bochum/Herner Hooligans gar nicht erst versuchten, in ihren Block zu kommen, sondern gleich in die Innenstadt abgebogen seien. „Die Kassen waren pünktlich um 13.30 Uhr geöffnet“, sagt der zweite Vorsitzende Michael Schlieper. „Die wollten vorn vornherein in der Stadt Krawall machen. Das war geplant.“

 Beide versichern, übereinstimmend mit den Informationen der Polizei, dass man von einem Extra-Bus aus Richtung Bochum gewusst habe, dennoch über die drohende Gefahr im Unklaren gelassen worden war. Vorsorglich habe man dennoch Ordnungs- und Sicherheitsdienst geordert, der dann auch die Polizei unterstützt habe. Eine Chance, dass Herne mit seinem Einspruch gegen die Spielwertung Erfolg haben könnte, sieht Stoffers nicht. „Das Spiel fortzusetzen, war eine Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters“, glaubt er, gute Karten vor der Spruchkammer zu haben. Abwarten ...

Einen Kommentar zu den Ereignissen lesen Sie in der Glocke am Dienstag

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