Endlosserie vorm Ahlener Amtsgericht
Die Endlos-Doku-Soap  im Falle Baris Günes geht weiter -  manchmal aber auch nicht....

Wie gut: Wer hört noch Gustl Bayrhammers sonor gesprochene Einführung: „Es war halt noch vieles in Ordnung damals. Denn für Ordnung und Ruhe sorgte die Gendarmerie und für die Gerechtigkeit das Königliche Amtsgericht.“? Ach ja, schön war’s in der guten alten Zeit, als der Kadi, auch im TV, lauschig Recht sprach, und sich alle – eigentlich – doch lieb hatten am Ende.

Wer’s vermisst, dem sei ein Besuch beim Ahlener Amtsgericht ans sehnsüchtige Herz gelegt, auch „königlich“, aber eher des Amüsements wegen. Gestern früh, die 25. oder 26. Folge der Günes-Serie – Anwälte und Presse waren sich nicht einig – hatte sich das Einschalten wieder gelohnt.

Herrlich, wie der Herr Vorsitzende vergeblich einem nicht erschienen Steuerberater hinterhertelefonierte („Tja, hörte sich an, als sei er verblichen, stimmt aber nicht.“), wie der Herr Anwalt auf dem Flur in einem Unbekannten den den vermissten Zeugen wähnte („Nein, der Mann ist nur Anwalt.“) und darauf der Herr Staatsanwalt konterte: „Dann hat er ja auch nichts richtiges gelernt.“

Köstliche Dialoge, große Schauspieler, etwas Tragik, verwirrend-dramatische Handlungsstränge und behäbig-menschliche Wirrnis machen die Verhandlung um den vermeintlich betrügerischen RWA-Sportdirektor seit dem Serienstart am 9. Mai 2012 zu einem wunderbaren Erlebnis.

Es wurde auch gestern wieder vertagt, der Herr Zeuge blieb verschwunden. Seine Kanzlei muss wohl schon im Mai ans Gericht telegrafiert haben, dass man nichts wisse, auch die Personalien des Steuerberaters blieben irgendwie unklar. Kurz: das Schreiben war nicht wieder aufgetaucht.

Zauberhaft! Es geht weiter. Ein Sommer ohne Günes ist schließlich wie Gute Zeiten ohne Schlechte Zeiten. Und so lasst uns das Schlusswort wieder Gustl Bayrhammer sprechen, der auch seinerzeit jede Folge mit den unvergesslichen Sätzen beendte: „Eine liebe Zeit – trotz der Vorkommnisse, menschlich halt. Und darum kommt es immer wieder zu diesen Szenen – im Königlich Bayerischen Amtsgericht.“

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