Erfolgserlebnisse für SCW und SC Verl
Bild: Bremehr
„Lass dich drücken!“ Tobias Puhl, der gleich mehrere gute Chancen ungenutzt ließ, beglückwünscht Julian Wolff, dessen Tor zum 1:0 den Heimsieg des SC Wiedenbrück eingeleitet hat.
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Nein, das Wort „Klassenerhalt“ nahm er noch nicht in den Mund. „Ali“ Beckstedde beließ es nach dem 2:0 seines SC Wiedenbrück gegen die TSG Sprockhövel am Donnerstagabend bei dieser eher schüchternen Einordnung: „Es war wichtig, dass wir gewonnen haben. Jetzt haben wir einen Vorsprung von neun Punkten.“ Doch genau das ist fünf Spieltage vor dem Saisonende ein Meilenstein. Und obwohl dem SCW in der Schlussphase noch ein wenig die Knie schlotterten, war es ein absolut verdienter Sieg gegen einen Tabellenletzten, der sich erst etwas zutraute, als es längst zu spät war. „Aber ein paar brenzlige Situationen mussten wir schon überstehen“, bilanzierte Trainer Beckstedde.

Wiedenbrück vergibt viele Chancen

Dass er und sein Team in der letzten Viertelstunde noch um den Erfolg bangen mussten, lag jedoch vornehmlich daran, dass zuvor nicht die Entscheidung gefallen war. Denn Wiedenbrück hatte das Geschehen vor 495 Zuschauern im Jahnstadion in der ersten Hälfte absolut im Griff. Und obwohl sich das Schlusslicht mit einer Fünfer-Abwehrkette in der Defensive einigelte, erspielten sich die Hausherren reihenweise gute Möglichkeiten. Gleich zweimal war Tobias Puhl, der tatsächlich mal wieder in der Startelf stand, nach Hereingabe von Sebastian Spinrath Zentimeter zu spät (10./32.). In der zwölften Minute scheiterte Stipe Batarilo mit einem Schlenzer am Torwart. Wenig später blieben Robin Twyrdy und Puhl nach einer Ecke im Gestocher glücklos.

Julian Wolff hält den Fuß hin

Bei dieser Überlegenheit und diesem Chancenwucher hätte ganz Wiedenbrück verzweifeln können, hätte es nicht doch zwei Glücksmomente gegeben. In der 23. Minute landete eine Ecke bei Carsten Strickmann, der leitete per Kopf weiter zu Twyrdy, der zu Julian Wolff und der hielt den Fuß hin – das 1:0. Unmittelbar vor der Halbzeit noch ein Angriff, den Puhl abschloss. Dessen Schuss streifte jedoch Gökan Lekesiz und rauschte so über Umwege ins Tor. Somit gehört dieses wichtige 2:0 eben nicht Puhl, sondern seinem Sturmkollegen.

SC Verl zeigt Herz und Leidenschaft

Mit einem nicht erwarteten Punktgewinn kehrt Fußball-Regionalligist SC Verl aus dem Grenzlandstadion in Mönchengladbach zurück. Trotz zweimaligen Rückstands bot der Sportclub dem Tabellenzweiten Borussia Mönchengladbach II die Stirn und entführte noch ein 2:2 (0:1). Freudestrahlend ballte Guerino Capretti nach dem Schlusspfiff die Fäuste. „Ich muss meiner Mannschaft ein riesiges Kompliment machen.“ Erst am Montag hatte Capretti die Trainingsarbeit beim SCV übernommen. Und in dieser kurzen Zeit das geschafft, woran sein Vorgänger Andreas Golombek letztlich gescheitert war. „Das war das richtig toller, aggressiver Power-Fußball“, war Capretti hochzufrieden.

Veränderte Spielweise zahlt sich aus

Im Vergleich zum eher trostlosen Auftritt gegen Ahlen beorderte der neue Trainer Patrick Choroba anstelle von Daniel Mikic in die Startformation. Viel wichtiger aber noch war die völlig verwandelte Spielweise. Von der ersten Minute an war Verl darauf bedacht, mit einem mutigen Auftreten den Angriffsfluss des Tabellenzweiten zu unterbinden. „Wenn der Gegner zwei solch starke Innenverteidiger hat, die den Spielaufbau ganz sicher schaffen, dann muss man sie früh stören“, erklärte Capretti seine Idee. Trotzdem war das Verler Spiel vor allem im ersten Durchgang nicht frei von Unzulänglichkeiten.

„Man hat gesehen, dass die Jungs mutig waren“

Viele Fehlpässe störten den Spielfluss und führten auch zur Borussen-Führung, bei dem der gesamte Defensivverbund keine gute Figur machte (16.). Weil die Jungfohlen aber vor den Augen ihres Cheftrainers und ehemaligen Verlers Dieter Hecking in den ersten 45 Minuten auch nicht viel auf die Kette brachten, hofften die Verler auf etwas Zählbares. In der 50. Minute war es soweit: Nico Hecker steckte durch auf Viktor Maier, der ohne Mühe zum 1:1-Ausgleich traf. Lange hielt die Freude über das Unentschieden nicht an. Völlig unnötig auch der erneute Führungstreffer der Platzherren: Aus dem Gewühl stand Ba-Muaka Simakala frei vor Brüseke und traf zum 2:1 (65.). Doch von dem Rückschlag erholte sich Verl in Windeseile. „Man hat gesehen, dass die Jungs mutig waren und in der Offensive die Überzahlsituationen geschaffen haben“, lobte Capretti und bewies mit der Einwechslung von Sinisa Veselinovic ein goldenes Händchen, denn der Stürmer war nur Sekunden auf dem Platz, als er eine Hereingabe von Unzola artistisch mit der Hacke via Innenpfosten ins Gladbacher Tor bugsierte (79.).

Weitere Hintergründe und Reaktionen zu den Partien des SC Wiedenbrück und SC Verl am 29. Spieltag der Fußball-Regionalliga lesen Sie am Freitag, 14. April, in der „Glocke“.

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