Freudentränen nach zwölf Jahren Warten
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In Schloss-Holte war es endlich so weit. Nach dem 7:4-Sieg beim VfB konnten Vellerns Fußballerinnen die Korken knallen lassen. Die Kreisliga-Meisterschaft und der damit verbundene Aufstieg in die Bezirksliga sind die Krönung eines langen, gut geplanten Entwicklungsprozesses des Teams.  
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Am Ende hieß es 7:4 für Rot-Weiß, und der Titel war mit beeindruckenden 68 Punkten aus 26 Spielen und stolzen 117:32 Toren vorzeitig unter Dach und Fach. Der Zweitplatzierte RW Ahlen hat bei zwei noch ausstehenden Spielen bereits acht Punkte Rückstand auf den Liga-Primus aus dem Beckumer Stadtteil und kann die Hanhues-Elf nun nicht mehr abfangen.

„Das waren sehr emotionale Momente, nach dem Spiel lagen sich alle in den Armen“, beschreibt Hanhues die Szenerie. Zahlreiche Familienmitglieder, Freunde und der Vorstand hatten Vellerns Frauen zum VfB begleitet und die Begegnung zu einem Heimspiel für die Gäste gemacht. Nach der Rückkehr gab’s obendrein lautstarken Applaus von der zweiten Senioren-Vertretung des Clubs, die ebenfalls aufsteigt.  „Es war einfach nur schön“, schwärmt Hanhues von der Stimmung.“

Um den Freuden-Ausbruch in diesem Ausmaß erklären zu können, muss man lange zurückblicken. Laut Hanhues begann schon vor etwa zwölf Jahren der Traum vom Aufstieg in die Bezirksliga, nachdem drei Jahre zuvor der Mädchenfußball in Vellern aus der Taufe gehoben worden war.

Als vor vier Jahren die Schwestern Manuela und Anna-Maria Hanhues als Trainerin beziehungsweise Co-Trainerin auf den Plan traten, setzte sich das neue Gespann zum Ziel, den Sprung „innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre“ hinzubekommen.

In dieser Zeit entwickelte sich das im Schnitt sehr junge Team mit vielen Eigengewächsen und einigen Akteurinnen aus Beckum, Neubeckum und Ennigerloh beständig weiter. Über die Plätze neun, acht, fünf und schließlich zwei am Ende der zurückliegenden Spielzeit ging es nun bis nach ganz oben auf den Gipfel.

„Jetzt haben wir es tatsächlich geschafft“, sagt Anna-Maria Hanhues immer noch ein bisschen ungläubig. „In der Hinrunde war der VfL Rheda noch so stark. Da hatten wir kaum Hoffnung. Und zuletzt war RW Ahlen dann unser gefährlichster Verfolger.“

Teamgeist trägt Titelträger auf den Gipfel

Bei der Frage nach dem Erfolgsrezept muss die Assistentin nicht lange überlegen. „Wir sind ein ganz starkes Team, unternehmen auch abseits des Sportplatzes viel miteinander.“ Das selbstgewählte Motto „Eine für alle, alle für eine“, ist in Vellern eben keine hohle Floskel, sondern der fußballerische Kitt für das erfolgreiche Kollektiv.

„Beim Training sind meistens 15, 16 Spielerinnen. Einige kommen extra aus ihren Studienorten in Dortmund oder Bielefeld“, lobt Anna-Maria Hanhues das Engagement ihrer Schützlinge. Die Sportanlage am Elsternberg 40 ist für die Aktiven längst eine Wohlfühl-Oase.

Das gilt auch für „unser Goldstück“, wie Anna-Maria Hanhues eine der Schlüsselspielerinnen nennt: Lia Wille. „Sie ist unsere Kapitänin, technisch und läuferisch extrem stark“, erklärt die Verantwortliche. Nach einem Intermezzo beim Landesligisten Warendorfer SU kehrte Wille zu ihrem Heimatverein zurück. „Nicht, weil sie es in Warendorf nicht geschafft hat, sondern weil sie sich bei uns zuhause fühlt“, betont Hanhues.

Dass Wille zwei Spieltage vor Saisonende mit 47 Treffern klar die Liga-Torjägerliste anführt, spricht Bände. Fast genauso torgefährlich ist Annika Johannimloh, die mit derzeit 35 Saisontreffern ebenfalls zu den Schrecken der Kreisliga-Abwehrreihen gehört und jüngst in Schloss-Holte dreimal knipste. Ein Wille-Doppelpack und die Treffer von Carmen Saxarra und Katja Schwichtenhövel gaben den Gastgeberinnen den Rest.

Und wie geht es nun weiter? Vermutlich gibt es Anfang Juni noch eine Saison-Abschluss-Sause. Schon im Vorfeld des feucht-fröhlichen Saisonausklangs stellen die Hanhues-Schwestern mit dem Sportlichen Leiter Markus Schiewe erste Weichen. „Wir setzen uns in den nächsten Tagen zusammen und reden über die neue Saison“, in der man vor allem den Klassenerhalt anstrebe und dem aktuellen Kader das Vertrauen schenke. „Das haben sich die Spielerinnen verdient“, sagt Anna-Maria Hanhues in sehr überzeugendem, respektvollem Ton.

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