„Fühle mich seitdem zehn Jahre älter“
Unersättlich, das verwöhnte Balg: Zum 5. Geburtstag der kleinen Insolvenzia gratulieren Dirk Neuhaus und Ex-Präsident Heinz-Jürgen Gosda (r.), der immer noch zu den Hauptsponsoren des Vereins gehört.

Genau fünf Jahre nach der Einreichung des Insolvenzantrages am 14. Oktober 2010 sprach der Vorsitzende RW Ahlens mit der „Glocke“ über eine dramatische Zeit, die noch lange nicht ausgestanden ist.

Die Glocke: Herr Neuhaus, wie verrückt waren Sie damals?

Dirk Neuhaus (lacht): Ich war ja noch Vorsitzender des Stadtsportverbandes – als ehemaliges Gründungsmitglied BW Ahlens und bei LR Ahlen im Aufsichtsrat konnt ich den Verein ja nicht vor die Wand fahren lassen.

 „Die Glocke“: Aber der Verein war ein Scherbenhaufen. Wer übernimmt da freiwillig die Verantwortung? 

Neuhaus: Nun, Bernd Mehring hatte Wolfgang Holtz und mich gefragt, ihm zu helfen. Ich glaubte da ja noch, dass das nach einem Jahr vorbei ist. Unser Insolvenzanwalt Mönig sagte dann noch, wenn ich es nicht mache, dann verkauft er am nächsten Tag jeden Stutzen und jeden Grashalm und macht alles platt. Und plötzlich war Mehring weg, und ich erster und Holtz zweiter Vorsitzender. So fing das Drama an.

„Die Glocke“: Das ist jetzt viereinhalb Jahre her. Sie halten aber durch.

Neuhaus: Nachdem die Sonnenkönige gegangen waren, konnten wir auch ehrenamtliche Helfer dazugewinnen, die für 0,0 Euro gearbeitet haben, die mir Arbeit abnehmen und mir Kraft geben. Durch den Regionalliga-Aufstieg kommen weitere hinzu, die merken, dass wir doch noch einen tollen Verein haben.

 „Die Glocke“: Der Antrag auf Insolvenz ist nun fünf Jahre her. Sagen Sie nicht, dass diese Zeit nicht spurlos an Ihnen vorbeigegangen ist.

 Neuhaus: Sicher nicht. Ich fühl mich seitdem zehn Jahre älter (lacht). Tatsächlich schlaf ich seit vier Jahren oft schlecht und schaue auf den Ersten des Monats in der ängstlichen Hoffnung, dass wir noch alles bezahlen können. Verband, Spieler, Umfeld, ach, was weiß ich. In den letzten vier Jahren haben wir bestimmt eine siebenstellige Summe umgesetzt.

 „Die Glocke“: Und was hält Dirk Neuhaus im Amt? 

Neuhaus: Ich freue mich, jetzt zum Platz zu kommen und zu sehen, dass der Betrieb noch läuft. Und wie! Die Jugend spielt, die Trainer helfen beinahe für umsonst. Das macht mich stolz. Dazu der Aufstieg, den ich vor drei Jahren mal leichtsinnig angekündigt habe, nur um alle zu motivieren. Da bekomme ich immer noch Gänsehaut.

Den zweiten Teil des Interviews und viele Hintergründe lesen Sie in der „Glocke“ am Mittwoch.

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