Fußball im Schatten der Fleischfabrik
Bild: Hoheisel
Dehnübungen am Arbeitsplatz: Das Team des Betriebssportclubs Rheda macht sich vor dem Training warm. Im Hintergrund: Das riesige Firmengelände des Lebensmittelkonzerns Tönnies. Fast alle Spieler des Vereins sind dort beschäftigt.
Bild: Hoheisel

Im vergangenen Sommer machten sie beim Betriebssportclub Rheda zum ersten Mal die Erfahrung, dass Fußball selten planbar ist. 2014 gegründet, sollte es direkt aus der Kreisliga C hoch in die B gehen. Doch als Tabellendritter reichte es nur zum Relegationsspiel, in dem der BSC auf den Nachbarn von Ditib Rheda-Wiedenbrück traf. Lange stand es 0:0. Doch dann, zwei Minuten vor dem Ende, segelte ein Freistoß ins Tor – das 0:1, das Aus. „Damit war alles gegessen. Keine schöne Erinnerung“, sagt Mustafa Kuyucu jetzt, ein halbes Jahr später.

„Da hat die Zerlegung gegen den Versand gespielt“

Kuyucu ist zweiter Vorsitzender des BSC und zugleich Betriebsratsvorsitzender bei Tönnies. An einem kalten und trüben Donnerstagabend sitzt er kurz vor Trainingsbeginn der ersten Mannschaft zusammen mit Dr. André Vielstädte, der unter anderem für die Unternehmenskommunikation zuständig ist, in einem Besprechungsraum des Verwaltungsgebäudes des Lebensmittelkonzerns und spricht über die Anfänge, Gegenwart und Zukunft des noch jungen Clubs. Früher schon, lange bevor im Schatten der Fleischfabrik die Tönnies-Arena entstanden ist, gab es mehrere Fußball-Mannschaften innerhalb des Unternehmens, die sich aus Mitarbeitern der verschiedenen Abteilungen zusammensetzten und gegeneinander kickten. Wie in einer kleinen, eigenen Liga im Tönnies-Verband. „Da hat zum Beispiel die Zerlegung gegen den Versand gespielt“, erklärt Mustafa Kuyucu. Diese Hobby-Teams gibt es immer noch. Doch seit 2014 gibt es eben auch den BSC, der das Ganze etwas ernsthafter und ambitionierter angeht.

Firmenkomplex als Lebensmittelpunkt

Knapp 6000 Mitarbeiter aus 80 verschiedenen Nationen arbeiten für Tönnies am Standort Rheda-Wiedenbrück. Mehr als 100 von ihnen sind Mitglied beim BSC. Außer der ersten Garde gibt es noch eine Reserve und eine Alt-Herren-Truppe. Für die Spieler ist der riesige Firmenkomplex an der Gütersloher Straße ohne Übertreibung ein Lebensmittelpunkt. Teilweise kommen sie direkt vom Dienst zum Training in der Tönnies-Arena. Oder auch nicht. „Es ist normal, dass beim Training vier, fünf Leute ausfallen, weil sie Schicht haben“, sagt Kuyucu. Und: „Wenn sie arbeiten müssen, müssen sie arbeiten.“ So wie bei vielen anderen Clubs halt auch. Doch beim BSC ist der Arbeitsplatz gleich nebenan.

Nach dem Training wird gegrillt

Deutsche, Rumänen, Türken, Polen oder Russen – so wie die Belegschaft beim Unternehmen Tönnies auch, bestehen die Mannschaften des Betriebssportclubs Rheda aus einem bunten Mischmasch der Nationalitäten. „Es ist total multikulti“, bestätigt Mustafa Kuyucu. Er sagt es mit Stolz in der Stimme. Der Fußball fördere das Gemeinschaftsgefühl, die Integration. „Oft grillen wir nach dem Training oder den Spielen zusammen“, erklärt er weiter. Jetzt grinst er. „Da gibt es viel Fleisch.“ Klar, was auch sonst?

Mit welchen Problemen der BSC Rheda ab und an zu kämpfen hat und warum der Verein trotzdem beneidet werden könnte, lesen Sie am Mittwoch in der „Glocke“.

SOCIAL BOOKMARKS