Gebrüder Blattschuss vor Ahlens Toren
42 Tore in der Kreisliga A: Joel Grodowski (18) empfiehlt sich mit einer Traumquote.

 Und wenn es zwei verdient hätten, dann die beiden, die Anfang der Woche vor den Toren RW Ahlens standen. Und kräftig anklopften: Joel und Philipp Grodowski vom PSV Bork haben definitiv das Zeug, den märchenhaften Weg einzuschlagen, den in Ahlen bereits Marco Reus und Kevin Großkreutz gegangen sind.

 Die Brüder haben gerade erst die Kreisliga A2 Unna-Hamm in Grund und Boden geschossen. Stürmer Joel war gut für 42 Tore, Brüderchen Philipp Grodowski, gleichzeitig Kapitän des Vereins, traf 32 Mal. 74 Treffer erzielten sie zusammen; weit über die Hälfte der Gesamttore des PSV gehen auf das Konto der Grodowski-Buben. „Dass jetzt auch RW Ahlen aufmerksam geworden ist, das haben sie sich verdient. Leistung darf belohnt werden“, sagt Ingo Grodowski, Trainer – und um das Fußball-Märchen weiterzuschreiben – gleichzeitig auch der stolze Papa der Gebrüder Blattschuss.

 Aber Blut ist dicker als Wasser, und Vater Ingolf will seine Jungs auch nicht verheizen. „Wenn’s nicht klappt, ist es auch kein Beinbruch“, sagt er nach dem Schaulaufen am Wersestadion Anfang der Woche. „Ist schon ein Riesenunterschied zur A-Liga.“ Um genau zu sein fünf Ligen, eigentlich Welten, ach, Universen.

Dennoch, Ahlens Trainer Mircea Onisemiuc war angetan von dem treffsicheren Doppelpack aus Borker Fußball-Niederungen. „So viele Tore hab ich ja mein ganzes Leben nicht geschossen“, lacht der ehemalige Profi nach dem Sichtungstraining und hatte die beiden eigentlich als Landesliga-Spieler eingeschätzt. „Tolle, sympathische Jungs.“ Sein Manager Joachim Krug nickt: „Die wissen, wo das Tor steht.“ Wobei ihm der Ältere gereifter schien. „Philipp wirkte auch durch seine körperliche Präsenz sehr stark.“

Bruderschaft der Bork ist Lichtjahre entfernt

 Dabei macht die Familien-Bande erst die Teamarbeit so gefährlich. Während der 18-jährige Joel seine 42 Buden aus dem Spiel gemacht hat, waren die Hälfte von Philipps 32 Toren Strafstöße. Aber wer hat sie herausgeholt? Genau: zu 80 Prozent sein kleiner Bruder. Wahrlich: Eine Familienbande mit eingebauter Torgarantie serienmäßig.

 Trotzdem, sie wären auch einzeln zu haben. „Haben wir abgesprochen. Falls nur einer den Schritt machen kann, dann darf er das auch“, sagt der Trainer-Vater, der seinen Kleinen die Karriere gönnen würde. Aber nur schweren Herzens. Verständlich, denn der Borker Trainer, diese Saison noch auf Platz vier gelandet, würde natürlich liebend gern seine schwersten Geschütze auch nächste Saison zur A-Liga-Titeljagd einsetzen.

„Wenn wir die Chance kriegen sollten, werden wir es, denke ich, auch machen“, verriet der 21-jährige Philipp Grodowski den Ruhr-Nachrichten, „so eine Chance hat man nur einmal im Leben.“ Bruder Joel fügt dabei an: „Es ist von der Geschwindigkeit her etwas anderes. Der Ball läuft sehr schnell. Aber es hat mir gefallen.“ Ahlens Trainer auch. Sehr sogar.

 Aber Onisemiuc ist vorsichtig: „Ich wundere mich, dass die beiden nicht schon längst zwei Ligen höher spielen“, lobt er. Zwei Ligen nur? Hm, fehlen doch noch drei. „Ja, Regionalliga ist eben ganz nahe dran am Profibereich“, erinnert Onisemiuc noch einmal vorsichtig daran, wie unendlich fern die A-Liga ist. Lichtjahre, selbst für gnadenlose Torjäger mit riesen Ehrgeiz aus der Bruderschaft der Bork. Glaubt auch Krug: „Wären wir Oberligist, hätten wir sie definitiv nehmen müssen. So beobachten wir die beiden aber weiter.“

Borks Geschäftsführer Dietmar De Sacco bleibt so entspannt, wie alle Beteiligten.„So oder so gut. Entweder für die Jungs, oder für unseren Verein, falls sie bleiben“, „Haben wir eben noch ein Jahr“, hat Papa Grodowski Geduld. Seine Prinzen-Kandidaten sind ja noch jung, ach, so jung. Und deshalb ist das Märchen noch lange nicht zu Ende erzählt.

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