Jeremias Bents liebt ungebremste Drifts
Bild: Rollié
Der Stromberger Jeremias Bents gehört zu einem kleinen Zirkel junger Speedway-Fahrer, die mit spektakulären Drifts begeistern.
Bild: Rollié

 „Straßenmotorräder sind langweilig, die haben Bremsen“, sprudelt es aus dem Zwölfjährigen heraus. Tatsächlich kommen Speedway-Fahrer ohne Bremsen aus, weil ein abruptes Verlangsamen der Maschine im engen Pulk der Fahrer schlimme Folgen haben könnte. Mit leuchtenden Augen beschreibt Jeremias seine Erlebnisse bei diversen Rennen, die ihn meistens nach Norddeutschland führen.

 Das Ganze war von Beginn an ein Familienunternehmen. Opa Johannes „Johnny“ Bents ist schon vor Jahrzehnten vom Speedway-Virus befallen worden. „Ich bin ein Profi-Zuschauer“, sagt der 66 Jahre alte Chef-Schrauber des kleinen Bents-Motorsport-Stalls und lacht. Seit 40 Jahren hat der Schreiner im Ruhestand alle großen Fahrer live erlebt – beispielsweise auf der Eisbahn im kasachischen Alma Ata oder mit 120000 anderen Fans auf der Sandbahn im alten Wembley-Stadion in London. Sein Sohn Detlev begleitete ihn manchmal zu den Rennen, und dessen Sohn Jeremias wiederum ist seit seiner ersten Testfahrt auch als Pilot Feuer und Flamme für die 80 bis 90 Kilometer, für ihn modifizierte Serienmaschine, die selbst in den Kurven kaum langsamer wird.

 „Das Tempo und das Driften machen am meisten Spaß“, erklärt Jeremias die Faszination des Sports. Mit eingeschlagenem Lenkrad müssen die Fahrer die passende Schräglage und die richtige Linie finden, um möglichst schnell durch die Linkskurven zu rutschen. Schon beim Rennauftakt gibt es keine Kompromisse. Sobald die Startleine hochschnellt, lässt Jeremias die Kupplung des koreanischen Daelim-Motors fliegen und geht mit Vollgas im zweiten Gang ins Rennen. Auf den kurzen 300 bis 400-Meter-Bahnen der Juniorenklasse schaltet er das Getriebe nur bis den vierten Gang hoch. Am Streckenrand drücken übrigens nicht nur Opa Johannes und Papa Detlef fest die Daumen. Auch Oma Anneliese entert regelmäßig das Wohnmobil, um ihren schnellen Enkel zu den Rennen zu begleiten.

In diesem Jahr wird Jeremias mindestens 24 Rennen unter anderem bei den Norddeutschen Bahnmeisterschaften (NBM) bestreiten. „Mein Ziel ist die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft“, sagt der junge Stromberger, der sowohl Mitglied des AC Oelde als auch des SC Neuenknick ist. Dort in Neuenknick bei Minden befindet sich die Heimbahn des Zwölfjährigen, der in der Oelder Theodor-Heuss-Schule besonders gern am Sport- und am Kunstunterricht teilnimmt.

Die Anfahrt nach Minden ist sehr zeitaufwendig. Daher wäre die Familie Bents sehr froh, wenn jemand in der Nähe eine Trainingsbahn – und sei es nur eine Wiese – zur Verfügung stellt, um das Fahrertraining und die Abstimmung der Maschine optimieren zu können. Zudem sind Sponsoren stets willkommen. Bislang helfen bereits einige Unternehmen und viele Freunde. Ersatzteile, Werkzeug, Schutzkleidung, Fahrtkosten – mit all dem wäre die Familie alleine überfordert. Bleibt Jeremias bei der Stange, was angesichts seiner technischen Fähigkeiten, seiner Nervenstärke und seiner Begeisterung wahrscheinlich ist, dürften die Kosten eher noch anwachsen als geringer werden. Der Umstieg auf eine leistungsstärkere Speedway-Maschine mit 250 oder 500 Kubikzentimetern etwa wäre wohl nur mit weiteren Sponsoren zu stemmen.

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