Kleine Feuerpause im Falle Günes
Rechtsanwalt Eric Coordes, Mitarbeiter des Insolvenzverwalters Michael Mönig, verriet: „Auf die Echtheit des Kontoauszuges von Günes hat keiner vertraut.“  

Und so haben die Juristen vor dem Ahlener Schöffengericht am Mittwoch ihre Chance genutzt, bei nur zwei verbliebenen Zeugen – Norbert und Heinz-Jürgen Gosda fehlten entschuldigt aus persönlichen Gründen – nur erst einmal die Bögen zu spannen. Ihre Pfeile, die sollen später abgeschossen werden.

Staatsanwalt Rolf Schlüß wird vorallem eine Aussage von Rechtsanwalt Eric Coordes wohlwollend zur Kenntnis genommen haben, welche die Glaubwürdigkeit dessen Brotherrn untermauerte. Coordes bezweifelte, dass sein Chef, Insolvenzverwalter Michael Mönig, die Liquidität des Angeklagten Baris Günes jemals bestätigt haben könnte. Und stellt sich damit gegen die Erinnerungen des kompletten ehemaligen Vorstandes RW Ahlens.

 „Ich kann mir so eine Aussage Mönigs nicht vorstellen und mich auch an keine Sitzung erinnern, bei der er so was gesagt haben soll“, so der Mitarbeiter der Münsteraner Kanzlei, der nur wusste, dass Mönig sich nach dem vermeintlichen Sponsor in der Türkei erkundigt habe: „Der aber war dort nicht bekannt.“

Bekannt ist aber nunmehr, dass sich der ehemalige Vorsitzende und seinerzeit Sponsor, Heinz-Jürgen Gosda, zweimal gegen Baris Günes abgesichert hatte. Nicht nur durch den Paragrafen 8 d im Konsortiumsvertrag, der diesen wertlos macht, wenn kein Geld fließt. Sondern auch noch durch eine Zusatzvereinbarung, die Gosda bei finanziellen Ausfällen aus allen Zahlungsverpflichtungen herausnimmt und die Verantwortung für Ausgleichszahlungen an Günes weiterreicht.

Das wiederum freute des Angeklagten Anwalt Christian Grotenhöfer, der so immerhin den Verdacht säte, dass viele Verantwortliche schon früh an der Glaubwürdigkeit seines Mandanten zweifelten und ihn dankbar nur als Bauernopfer vorgeschoben haben könnten.

Ein Punktsieg der Verteidigung war auch die Aussage des Ahlener Restaurantbetreibers Bayram Senlik, der bestätigte, dass der damalige Trainer Arie van Lent und Günes ihm eine Scheinanstellung des Stürmers Matthew Taylor angedient hätten, um den Spieler über diesen Umweg mit 400 Euro „schwarz“ bezahlen zu können. „Aber ist ja verboten“, erwies sich Senlik als braver Steuerzahler. „Die Anfrage kam, ich hab Nein gesagt, und das war alles.“ Also doch Geld unter der Hand an die Spieler, wie Baris Günes behauptete?

 „Tja, dann bin ich mit meiner Fragerei so ziemlich am Ende“, lächelte der Vorsitzende Dr. Lothar Kintrup, wohl  in dem Wissen, dass in den nächsten Verhandlungstagen sicherlich schärfer geschossen wird. Weiter geht’s am 12. und 19. Dezember sowie am 7. und 16. Januar.

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