„König Otto“ hält unterhaltsam Hof beim FCG
Bild: Dünhölter
Zum munteren Plausch trafen sich Trainer-Legende Otto Rehhagel (r.) und Manuel Neukirchner, Leiter des Fußball-Museums in Dortmund, beim Sponsorenabend des FC Gütersloh.
Bild: Dünhölter

Der selbsternannte „demokratische Diktator“ prägte am 20. April 1997 als Trainer des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern im Gütersloher Heidewald-Stadion einen weiteren, bis heute legendären Ausspruch. Nach dem 1:1 seiner „Roten Teufel“ beim Liganeuling FCG stellte der Bundesligatrainer mit den bis heute meisten Einsätzen im berstend vollen Presseraum fest: „Ich frage meine Mannschaft immer ,Wollt ihr Meister werden – dann stört mir meine Kreise nicht‘.“

Am Donnerstag hielt „König Otto“ erneut eine Audienz in der Dalkestadt ab. Auf dem Weg zum Geburtstag von Clemens Tönnies machte die „Trainer-Ikone und Fußball-Legende“, so Kay Klingsieck als Vorstandsvorsitzender der gastgebenden Sparkasse Gütersloh-Rietberg, 45 Minuten lang Station beim Sponsorenabend des FC Gütersloh. Gemeinsam mit dem Direktor des Dortmunder Fußball-Museums Manuel Neukirchner, und zum obligatorischen Preis von „einem Bier und einer Frikadelle“.

Der mittlerweile 81-jährige Goethe-Liebhaber, Menschenfänger und Ball-Poet präsentierte sich in der sehr persönlichen Begegnung mit von Kindheitserinnerungen, wie dem Bundesliga-Spielerdebüt gegen Max Morlock oder dem Rückblick auf die 14 von großen Titeln geprägten Werder-Jahre genau so eloquent, philosophisch und bescheiden wie erwartet.

Der Europameister-Titel mit Griechenland 2004 sei zwar für die Öffentlichkeit eine Sensation gewesen, für ihn nicht: „Das war kein Wunder. Es war einfach eine außergewöhnliche Spielergeneration“. Ohnehin, so ließ der fünfmalige „Trainer des Jahres“ wissen, sei „jeder Trainer nur gut, wenn er auch gute Spieler hat. Am Rande habe ich kein Tor selbst geschossen“.

Trotz seines gelebten Credos „Jeder darf sagen, was ich will“, verriet der dreifache deutsche Meister, dreimalige DFB-Pokalsieger und Europapokalsieger der Pokalsieger auch eines seiner Erfolgsgeheimnisse: „Die Kunst des Fußballlehrers ist es, mit schwierigen Leuten umzugehen. Man muss die verschiedenen Charaktere unter einen Hut bringen.“

Der in Altenessen geborene Rehhagel brach auch einen Stab für seine heute aktiven Kollegen: „100 000 Zuschauer sind im Stadion. Der einzige, der keine Ahnung hat, ist immer der Trainer“. Auch das Verhalten der medialen Öffentlichkeit sei nach seiner Erfahrung nicht immer positiv: „Die Journalisten interessieren sich immer nur für die an der Sonne. Nicht für die, die unter dem Kabel herkriechen müssen.“

Die Lebensweisheiten und Anekdoten des zum Abschluss Goethes Osterspaziergang zitierenden Altmeisters betrafen auch das Verhalten abseits des Fußballplatzes. „Wenn man abends an der Theke steht, kann ich nur sagen – kontrollierte Offensive.“

Beim anschließenden Empfang zeigten sich die 130 Besucher ähnlich fasziniert wie Otto Rehhagels erst 31-jähriger Trainerkollege Kollege Julian Hesse. Der aktuelle FCG-Verantwortliche staunte: „Er hat so viel gewonnen und so viele Erfolge gefeiert und ist dennoch so bescheiden und demütig. Wahnsinn.“

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