Malochen, als gäbe es kein Morgen mehr
Doppelt gemoppelt spielt besser: Ahlens Justin Perschmann (l.) und Tim Kallenbach machen gemeinsame Sache in Verl.  

 Seit der Insolvenz und dem Abzug von neun Punkten jedenfalls hat die Alemannia noch kein Spiel verloren, und das macht sie nicht nur wegen der Pleite zu einem Bruder im Geiste. Denn was Aachens Trainer Fuat Kilic nach dem letzten 4:1 über Rödinghausen lobt: „Diese Mannschaft muss gefeiert werden. Mit ihrer Einstellung und ihrer Art, wie sie in die Spiele reingeht“, das erwartet sein Ahlener Kollege auch. „Andere sind nicht besser als wir. Wenn wir unsere Leistung abrufen, dann gewinnen wir“, macht Erhan Albayrak Mut unter eigentlich trüben Umständen.

 Beide Teams haben nichts mehr zu gewinnen (Aachen) oder zu verlieren (Ahlen) – beide sind Geächtete, die gerade deswegen aufspielen, als gäbe es kein Morgen mehr – was schließlich nicht weit hergeholt ist.

„Das erste Finale haben wir in Verl gewonnen“, will Albayrak genauso weitermachen. „Jetzt eben das nächste.“ Mit genügend frecher Verzweiflung, warum auch nicht? Denn eigentlich sind diese drei Punkte – so schwer sie gegen ein Spitzenteam zu holen sind – längst drin in der finalen Rechnung. „Alle drei Heimspiele gewinnen und dann noch ein, zwei auswärts“, addiert Ahlens Trainer. „Vielleicht in Köln, spätestens im letzten Spiel in Wattenscheid.“ So könnte es was werden mit Rang 15 – vielleicht.

 Für diese schmale Aussicht auf die Eventualrettung werden sie auch Samstag wieder malochen, entweder für den Verein oder/und für die eigene Zukunft. „Jeder Spieler kann sich empfehlen für seine Zukunft. Ich hab jedenfalls Bock auf diesen Kader, ich will mit den meisten verlängern“, verspricht Albayrak. Nicht, ohne hinzuzufügen: „In der Regionalliga.“ Aha, gilt also wohl auch für ihn selbst.

 Für dieses edle Vorhaben wird die Mannschaft nach dem 2:0 über Verl auch nicht ausgetauscht. Nur Kayaoglu muss nach seiner Gelbsperre ersetzt werden. Außerdem kommen Witt, Waldoch und Sahin zurück, um mitzuhelfen, eine beinahe unlösbare Aufgabe zu stemmen. Beinahe, denn: „Für Aachen ist die Saison doch gelaufen“, hofft Albayrak auf desillusionierte Alemannen. Ein frommer Wunsch, denn eigentlich sollte er seine Brüder im Geiste doch besser kennen.

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