Pakt mit dem Günes ist zweiseitige Sache
Da war noch Hoffnung: Burak Mentes im Juli 2010 als Testspieler bei RW-Trainer Arie van Lent. Wer ahnte da schon, dass alles jetzt vor Gericht enden würde?

 Zum einen reiste Günes beschwert mit einer rechtswirksam gewordenen Ladung zu einem Strafantritt an, die ihm wegen einer Brandstiftung vor dem Landgericht Krefeld zweieinhalb Jahre Haft in Aussicht stellt. Zum anderen entwickelte sich die eingeschobene, zusätzliche Betrugs-Anklage zu einer heiklen Sache für den Beschuldigten.

 Der Berliner Fußballer Burak Mentes und seine Mutter Zercan waren angereist, um zu bezeugen, dass Günes sie im Sommer 2010 um 3 500 Euro geprellt haben soll (die „Glocke“ berichtete). Dazu läuft übrigens parallel noch ein Zivilverfahren. Günes war seinerzeit der Berater von Mentes gewesen, und er habe – so der Vorwurf – dem heute 22-Jährigen mit der Hoffnung, bei RW Ahlen zu spielen auch einen BMW in Aussicht gestellt, für den er das Geld kassiert habe. Mentes hingegen hatte weder das Auto bekommen, noch bis heute das Geld wiedergesehen.

 Zuerst schien Günes in Vorteil zu kommen, als er erläuterte, dass das Geld eben nicht für ein Auto, sondern Schulden gewesen seien. Als Berater hätten ihm, Günes, monatlich 250 Euro zugestanden, die er aber eben bis 2010 nie bezahlt worden seien. Rund 9000 Euro Außenstände seien so zusammengekommen. Dafür legte Günes dem Gericht einen Vertrag vor, der das zu bestätigen schien.

 „Aber da fehlen ja Seiten. Der Vertrag, den ich kenne, ist viel dicker“, zeigte sich anschließend Burak Mentes überrascht, als er den nur zweiseitigen Kontrakt zu Gesicht bekam. Von den 250 Euro Pauschale wollte der Fußballer und Informatik-Student nichts wissen. Im Gegenteil, Günes habe ihn ausdrücklich so lange umsonst managen wollen, bis ein Arbeitsverhältnis zustande gekommen wäre. Eine Aussage, die auch Mutter Zercan Mentes bestätigte.

Vorerst Pech für die beiden, dass ihre Version des Paktes noch nicht auffindbar ist. Bis nächsten Mittwoch zum 15. Prozesstag will nun Familie Mentes nach den Papieren fahnden, auch einen Berliner Fußball-Trainer wollen sie als Zeugen mitbringen, der das Originalmanuskript gesehen habe. Sollte das nachweisbar sein, dann käme für Günes ein weiterer Vorwurf hinzu: Urkundenfälschung.

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