Punktlandung des Schmerzbefreiten
Der Glückliche: Faysel Khmiri drückte das 1:1 über die Linie. RW Ahlen kam in Erndtebrück mit einem blauen Auge davon.

   1:1 in der letzten Minute beim TuS Erndtebrück. Nicht wirklich verdient im Spitzenspiel, aber mit Mut und Glück des Schmerzfreien. „Das hat mich zehn Jahre meines Lebens gekostet“, war Trainer Carlos Castilla knapp an der Schnappatmung Minuten nach dem 1:1 durch Khmiri, der die Vorarbeit von Backszat und Niemeiers Kopfball-Versuch über die Linie quetschte (90.).

Aber vorher hatte Ahlen kassiert wie ein Boxer in der falschen Gewichtsklasse. Zuerst die frühen Zerrungen der defensiven Dahlhoff (17.) und Achenbach (41.), die das Konzept das erste Mal durcheinanderwirbelten. Dann die Rote Karte gegen A-Jugend-Stürmer Yilderim (66.) wegen Tätlichkeit. „Hat aber nur der Linienrichter gesehen“, zweifelt Castilla, ob der Kleine wirklich seinem hinter ihm stehenden Gegner auf die Stiefel getreten hat.

Und fünf Minuten später gleich das 0:1. Niemeier schätzt falsch ein, ruft „Leo“, erreicht aber weder Ball noch Waldrich, der blank vor Hinkerohe einschiebt. Der RW-Torwart hatte schon in der 19. Minute heroisch einen Distanzschuss von Schilamow aus dem Winkel gefischt, einen Kopfball gehalten und beim etwas ungenau gezielten Schuss von Tokio Nakai einfach nur Dusel gehabt. Für denjenigen, der immer noch nicht k. o. gegangen war zu diesem Zeitpunkt, wahrscheinlich fast schon verdient.

Und Castilla legt verzweifelt gegen die jetzt entspannten Gastgeber noch alle und die letzte Kraft in den finalen Aufwärtshaken: Khmiri nach vorn beordert, jetzt Viererkette im sonst bedeutungslosen rotweißen Angriff – Alles oder Nichts! Und zum Schluss rauscht noch Niemeier in Erndtebrücks Strafraum.

Die pure Überzahl mit einem Mann weniger und ein panisch geführter Schwinger erzwingen das Heil des Todgeweihten. „Die machen mich wahnsinnig“, stöhnt der Trainer. Erschöpft, voller blauer Flecken. Aber stehend.

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