Qualitätskontrolle nicht bestanden
Pure Depression: Vadim Baumbach symbolisiert das ganze Ahlener Elend vor den feiernden Gästen aus Sprockhövel.

 „Die sollen mal die Kirche im Dorf lassen“, wetterte Carlos Castilla gegen alle Aufstiegsträumer nach dem erneuten Niederschlag gegen die TSG – ein 0:3, das so offensichtlich die Fähigkeiten eines potenziellen Regionalligisten in Frage stellte, dass kein Auge trocken blieb. „Uns fehlt dazu zwischendurch die Qualität“, gibt der Trainer zu.

 Offensichtlich, denn auch, wenn die Gastgeber gestern mit Vieregge im Tor und Lehmann in der linken Kette zwei A-Jugendliche in der Startelf hatten und Hinkerohe, Dahlhoff, Bollmann oder Yilderim streichen mussten, war die Leistung höchstens durchschnittlich für die Oberliga. „Wenn du aufsteigen willst, musst du Mannschaften wie Sprockhövel aus dem Stadion schießen“, sagt ausgerechnet Nico Niemeier, der sich wegen Meckerns trotz vorheriger Warnung des Unparteiischen eine Gelb-Rote Karte einhandelte (61.) und als routinierte Defensivstütze im entscheidenden Moment wegbrach.

Also fegte danach Sprockhövel mit einem Mann mehr und in erfrischendem Konterspiel alle rotweißen Fantasien vom Tisch. Zwar hatte Ahlen noch in Hälfte eins spielerische Vorteile, die aber erwiesen sich als brotlose Kunst, weil Möglichkeiten von Birdir, Baumbach aus der Distanz und zuletzt Eckert, der am Torwart scheiterte, verpufften. Ganz anders die Gäste, die nach dem frühen 1:0 nach der Pause (48.) durch Yesilova, der über links schneller war als Lehmann und Niemeier, fröhlich kurzen Prozess machten.

 Zweimal düpierte Xhino Kadiu noch die aufgerückte Abwehr (63./ 68.) zum 3:0 für die TSG, die aber noch Chancen für drei, vier Treffer mehr ausließ. Man konnte es sich leisten ... „Es ist mir ein völliges Rätsel“, dämmerte Faysel Khmiri eine wichtige Erkenntnis. „Wer aufsteigen will, muss solche Spiele dominant gewinnen.“ Eben, Recht hat er, der Mann. „Es waren alles individuelle Fehler“, war Julius Richter erschüttert über die Mängel vorn und hinten. Und es hörte sich so an, als wäre er gerade erst aus einem Traum erwacht.

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