RW Ahlens wilde Fahrt in den Sturzflug
Bild: Stiemke
Glatt Rot: René Lindner versteht in Sprockhövel die Welt nicht mehr.
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 Ganz oben beim 3:0 über Erndtebrück, und dann wieder steil hinab – das 1:2 bei der TSG Sprockhövel war am Sonntag aber auch schon so tief, dass sich die komplette Crew von RW Ahlen eigentlich hätte in den Boden bohren müssen. Sicherlich die schlechteste Leistung seit langem, bei der auch noch Innenverteidiger René Lindner in der Schlussminute mit einer Roten Karte wegen grobem Foul aus dem Sitz katapultiert wurde.

 „Wenn wir die Zweikämpfe nicht annehmen, dann ist das klar“, kommentierte ein enttäuschter Trainer Carlos Castilla, der sich nach dem letzten genialen Sieg natürlich auch mehr versprochen hatte. Aber dem steilen Aufschwung folgte in Sprockhövel ein rasanter Sturzflug. Während der Gastgeber solide tief stand und auf Konter lauerte, versuchte Ahlen sein Glück in planlosen langen Bällen und zögerlichem Aufbau, Fehlpässen kamen hinzu und mutlosen Attacken im Kampf Mann gegen Mann.

Dass Khmiri die Zehner-Position besetzte, da sich Temel Hop beim Aufwärmen verletzt hatte, war nicht ursächlich. Der Fisch begann ganz hinten zu stinken – ab der Defensive kam nichts mehr für den Aufbau. Und so hatten es Sprockhövel und sein bester Mann und Regisseur, Yesi Lova, leicht, die Gäste in den Abgrund zu schicken.

 Kadiu traf zweimal im Konter (18./ 57.) völlig frei vor Hinkerohe, der noch bester Ahlener war. Rettete der Tormann doch noch bei weiteren drei Möglichkeiten des blank stehenden Kadiu. Lova zirkelte in der Nachspielzeit den Ball noch an die Latte, so dass Ahlen sich glücklich schätzen durfte, so knapp verloren zu haben.

 Mit dem überraschenden Anschluss, den Khmiri per Strafstoß nach einem Foul an Nebi erzielte (71.), brachte der eingewechselte Niemeier ein kleines bisschen Belebung, die aber mangels Gefahr nicht der Rede wert war. Was man von der Roten Karte gegen Lindner nicht sagen kann. Zwei Wochen wird der Innenverteidiger wohl aussetzen nach seiner Blutgrätsche in die Beine. Viel Zeit, um das Schwindelgefühl nach der wilden Fahrt wieder loszuwerden.

 

Debakel und Krawall

Es passte zum Chaos-Tag: Fankrawalle vor dem Stadion in Sprockhövel und die wilde Flucht der von Vermummten angegriffenen Ahlener Anhänger ins TSG-Clubhaus verhinderten auch noch die Pressekonferenz, die so zu Auffanglager der Bedrängten und Geschlagenen geriet (mehr dazu in der Glocke am Montag). Kam Carlos Castilla vielleicht nicht ganz unrecht, wer redet schon gern über so ein überraschendes und desillusionierendes Debakel. „Ob uns wohl auswärts die Einstellung fehlt?“, haderte er. Und gibt die Antwort selbst: „Wenn wir unsere Hausaufgaben nicht machen, keine Balleroberung schaffen und nicht umsetzen, was wir uns vornehmen, darf sich keiner wundern.“

Was gegen Erndtebrück wie am Schnürchen lief, war nun wie abgeschnitten. Die defensiv arbeitenden Gastgeber hatten Zeit genug, alle Lücken zuzustellen, weil es ewig dauerte, bis der Ball nach vorn kam. Warum? Niemand weiß es. „Keine Anspielstationen vorne“, hatte Castilla ausgemacht und wundert sich dann auch nicht über die Risikobälle, die verzweifelten Befreiungsschlägen glichen. Das wird eine schwere Woche der Ursachenforschung.

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