Rollis: Erfolg bringt Freude und Arbeit
Bild: Brandt
Durchgebissen: Sören Müller (l.) hat sich gegen die starke Konkurrenz in der 2. Liga Nord durchgesetzt. Jetzt wartet auf die Warendorfer Rollstuhlbasketballer eine noch größere Herausforderung.
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„Das war die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte“, zieht Fedde, dessen Sohn Marcel die Mannschaft als Trainer zum Aufstieg gebracht hat, ein rundum zufriedenes Fazit. „Die Erste spielt in der kommenden Saison in der höchsten deutschen Liga, die Zweite hat als Meister der Oberliga West den Aufstieg in die Regionalliga geschafft und unsere dritte Mannschaft hat im Neunerfeld der Landesliga West Gruppe A einen hervorragenden vierten Platz erreicht.“

Stadt hat Hilfe zugesagt

Angesichts dieser Erfolgsbilanz der Warendorfer Amateursportler ist die Begeisterung des Vereinsvorsitzenden nur allzu verständlich. Denn seit der Gründung des BBC im Jahr 1992 kämpfen Dietmar Fedde und seine Mitstreiter um die Würdigung ihrer Arbeit. „Und die haben wir nach dem Aufstieg nicht nur von unseren Fans und Gönnern bekommen“, betont er. „Auch Vertreter der Stadt Warendorf haben das Geschehen nicht nur verfolgt, sondern uns auch ihre Hilfe zugesagt.“

Die ist auch von Nöten, denn der Verband der Rollstuhlbasketballer hat strenge Vorschriften für die Erste Liga. Da ist zum Beispiel der Passus, der die Größe des Spielfelds bestimmt. „Das muss nach den Statuten 28 mal 15 Meter betragen“, sagt der Vorsitzende. Und genau das ist eines der Probleme, die er und seine Mitstreiter aus dem Weg räumen müssen. „In der Josefschule haben wir nur eine Fläche von 26 mal 14 Metern zur Verfügung“, ergänzt Fedde. „Wir haben dort bisher mit einer Ausnahmegenehmigung gespielt. Aber der Verband will nun Änderungen sehen.“

Und da kommt die Kommune ins Spiel. Bei einem Treffen mit den BBC-Oberen haben sie ihre Unterstützung zugesagt. „Das Spielfeld für die kommende Saison - wann auch immer sie angepfiffen werden wird - wird um einen Meter verbreitert“, erklärt der Vorsitzende. „Das ist ohne große Probleme bis zum Stichtag 31. Juli umzusetzen. Wir würden dann erneut eine Ausnahmegenehmigung beantragen, und die sollen wir auch bekommen, wenn gewährleistet wird, dass die Anforderungen für Erst- und Zweitliga-Spiele dauerhaft geändert werden.“ Und das haben Vertreter der Stadt bis 2022 zugesagt.

Kein Profitum beim Rollstuhlbasketball

Eins wird es mit Dietmar Fedde nicht geben: Profitum im Rollstuhlbasketball. „So größenwahnsinnig werde ich nicht sein“, erteilt er etwaigen Überlegungen eine klare Absage. „Klar ist, dass wir neue Spieler holen müssen. Klar ist aber auch, dass diese menschlich und sportlich zu uns passen müssen. Daran arbeiten wir im Moment.“ Eine Arbeit, um die der Vereinschef in Zeiten des Coronavirus nicht zu beneiden ist, denn schließlich weiß niemand, wann der Ball wieder Richtung Korb fliegen wird. Aber Fedde ist zuversichtlich, auch diese Aufgabe zu meistern. „Profi-Sport können wir uns nicht leisten“, sagt er. „Und das wollen wir auch gar nicht. Bei uns gibt es Fahrtkostenerstattung für jeden. Egal, wie er heißt.“

Dass der Warendorfer deshalb bei der Suche nach entsprechendem Personal auf Schwierigkeiten stoßen wird, davon geht er nicht aus. Sorgenfalten treiben ihm jedoch die steigenden Kosten auf die Stirn. „Ich rechne mit einer Zunahme von 30 Prozent“, sagt der Vorsitzende. „Die Schiedsrichterkosten werden steigen, wir haben weitere Fahrten, und dann werden wir wahrscheinlich auch das ein oder andere Mal vor Ort übernachten müssen. Um das alles zu finanzieren, müssen wir neue Förderer finden. Das wird in diesen unsicheren wirtschaftlichen Zeiten nicht einfach.“

Euphorie in die Erste Liga tragen

Aber einfach kann jeder. Fedde und der BBC haben schon so manche Klippe umschifft, stürmische Zeiten abgewettert und Lösungen gefunden. Sonst wären die Warendorfer Rollstuhlbasketballer nicht dort, wo sie in der nächsten Spielzeit sind: in Liga Eins. Die Erstklassigkeit soll dem Verein, der 1992 aus der Taufe gehoben wurde, Strahlkraft verleihen. Und auch die besondere Atmosphäre, die im Josefs-Dome – wie die BBCler ihre Spielstätte nennen – herrscht.

Wenn Fedde die Aufgaben der Verantwortlichen des BBC mit einer Herkulesaufgabe vergleicht, übertreibt er nicht. Aber er ist zuversichtlich, das Unternehmen Erste Liga gestemmt zu bekommen. Die Euphorie, die die Mannschaft zum Aufstieg getragen hat, wird fortbestehen, davon ist der BBC-Chef überzeugt. „Auch wenn wir gegen die Top-Klubs Lehrgeld zahlen müssen“, sagt er. „Aber so ist das nun mal.“

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