SCW-Sause nach Latkowskis Traumtor
Foto: Rollié
Auf Wiedenbrücks Torhüter Marcel Hölscher (r.) war Verlass. Er verhinderte nach der Pause einige Male Essens 2:0.
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Fußall-Wiedenbrück mitsamt Spielern, Bankpersonal und Trainerstab reißt jubelnd die Arme hoch, stürmt das Feld und begräbt Latkowski unter sich: magische Momente. Der große Titelfavorit in Rot-Weiß war die letzten zehn bis 15 Minuten wie ein angeschlagener Boxer über den Rasen getaumelt, weil die Emsstädter mit einer großartigen Energieleistung enormen Druck ausübten – mit dem bekannten Ende.

Kein Zweifel am erfolgreichen Abschluss

„Ich wusste, dass ich treffe“, sagte der Torschütze wenig später und bekam das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Mit seinem Strich aus 20 Metern belohnte er die Gäste-Mannschaft für einen unermüdlichen Auftritt, der in seinem wechselhaften Verlauf und dem furiosen Finale aus der Feder eines Krimiautors stammen könnte. Zwischenzeitlich nach dem 1:0 der Hausherren durch Simon Engelmann (55.) musste man sich Sorgen um den Rückkehrer aus Wiedenbrück machen. Der Vorjahresdritte aus Essen drängte auf die Vorentscheidung, das 2:0 lag vor fast leeren Zuschauerrängen in der Luft.

Wiedenbrück rappelt sich nach Rückschlag auf

 In der Folge rappelte sich das Team von der Rietberger Straße aber wieder auf, während sich Essen zurückzog und glaubte, den Vorsprung souverän über die Runden bringen zu können. Eine fatale Fehleinschätzung des Titelanwärters und stets ambitionierten Viertligisten – wie sich spätestens in der 94. Minute herausstellen sollte. „Wir haben das vorher besprochen, ich musste gar nichts sagen. Meine Spieler wussten, was sie in der Phase nach dem Rückstand zu tun haben“, erklärte der stolze SCW-Trainer Daniel Brinkmann nach der intensiven Partie, an deren Ende der Gegner sogar noch um einen Punkt bangen musste, weil die Gäste nicht im Geringsten daran dachten, die Attacken einzustellen.

„Das 1:1 geht aber in Ordnung, ein Sieg für uns wäre sicherlich zu viel des Guten gewesen“, stellte Daniel Brinkmann sportlich fair fest. Der Verantwortliche hatte das Geschehen bis zur 94. Minute stehend und völlig unaufgeregt verfolgt, während sein Gegenüber Christian Neidhardt sich häufiger genervt die Haare gerauft hatte. Verständlich.

Gäste bleiben ihrem Plan treu

Aber der Reihe nach: Wiedenbrück glaubte von Beginn an seinen Plan, lief den Gegner früh an und gab sich in der Rückwärtsbewegung nahezu keine Blöße. Falls notwendig, beförderte der Underdog die Kugel unter Umständen auch mal humorlos in Richtung Tribüne. Warum auch nicht? Essen war in der Bringschuld, der Oberliga-Meister konnte getrost reagieren und ab und an Nadelstiche setzen. Die Rot-Weißen wirkten zunächst beinahe behäbig, zeitweise arrogant, wohl im trügerischen Gefühl, über kurz oder lang den Sack zumachen zu können. „Das ist ja wie ein Freundschaftsspiel“, maulte kurz vor der Pause ein versprengter Zaungast auf der Tribüne.

Chancen zunächst Mangelware

Chancen waren auf beiden Seiten bis dahin tatsächlich an einer Hand abzuzählen. Wiedenbrücks Leon Tia zielte in der 9. Minute zu zentral und traf den Keeper. Essens beste Gelegenheit resultierte aus einem Freistoß von Alexander Hahn (25.). In der 38. Minute zog der auffällige Oguzhan Kefkir aus halblinks ab und zwang SCW-Schlussmann Marcel Hölscher zu einer Glanzparade. Kurz vor der Pause (45.+1) verfehlte Joshua Endres mit einem verunglückten Kopfball das 1:0 für den Kultclub aus dem Ruhrpott.

In Abschnitt zwei überschlugen sich nach einem Wechselbad der Gefühle die Ereignisse. In der Schlussviertelstunde zeichnete sich der Anfang vom Ende der Essener Siegträume ab. Gegen immer müder wirkende Gastgeber eröffneten drei Schüsse von Oliver Zech (75.), Saban Kaptan (76.), Lukas Klantzos (76.) die kraftraubende SCW-Jagd auf einen Punkt. Als der Schiedsrichter vier Minuten Nachspielzeit anzeigte, zerrissen sich die Spieler um Kapitän Marcel Hölscher förmlich – bis sie mit dem Traumtor von Daniel Latkowski das Happy End geradezu erzwangen.

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