Seite an Seite mit Trauernden in Soma
„Leben riskieren für eine Handvoll Kohle“: Serkan Akin und seine Minis setzten nach dem Grubenunglück ein Zeichen mit Respekt und Anteilnahme.

 Nicht an diesem sonnigen Samstag. Nicht nach dem Grubenunglück im türkischen Soma. „Ich habe mir lange Zeit große Sorgen gemacht“, sagt Serkan Akin. Ein Großteil seiner Familie und Verwandte lebt im westlich der Türkei gelegenen Soma. Sein Cousin Cengiz Akin arbeitet sogar in der Mine, die mehr als 300 Bergleute unter sich begrub.

Doch Cengiz Akin hatte Glück. „Er hatte Urlaub“, war Serkan Akin erleichtert, als die Familie in der Türkei nach vielen Stunden des Banges den Hörer abnahm. „Ich kenne alleine zwei Leute, die aus ihrer Familie jemanden in Soma verloren haben“, trauert Akin. Doch er ist nicht alleine.

Denn seine kleinen Racker, die sonst putzmunter neben dem Trainer für buntes Treiben auf dem Rasen sorgen, sind an des Chefs Seite und bringen ihren Beistand mit einem Transparent zum Ausdruck. „Leben riskieren für eine Handvoll Kohle“, steht in türkisch geschrieben auf den kleinen Schildern der Spieler. „90 Prozent meiner Mannschaft sind Türken. Viele ihrer Großeltern haben in Ahlens Zeche gearbeitet“, erklärt Akin, weshalb auch viele ältere Herren den Weg zum Wersestadion gefunden haben. Sie alle denken an ihre Kumpels und Verwandten.

Auch Akins Vater, der 1973 im Alter von 49 Jahren nach Ahlen zog, um unter Tage zu schuften. Serkan Akin selber fliegt im Juni in die Türkei. „Klar will ich meine Verwandten besuchen“, hat der Trainer und Torwart längst das Ticket gebucht. Statt nach Izmir in den Urlaub geht es dann also nach Soma.

Bis dahin wird Akin seine Trauer in Ahlen zum Ausdruck bringen – auch auf dem Fußballplatz. Akin, der auch beim Bezirksligisten Vorwärts Ahlen das Tor hütet, lief in einem schwarzen Dress auf, die Brust beflockt mit dem Namen Soma. „Es war nett, dass es eine Schweigeminute gab“, freute sich Akin, dass man ihm und den Betroffenen den Respekt erwies. Auch seine Minis, die 6:5 gewannen, schlossen den Trainer nach jedem Tor in die Arme. Sechs Umarmungen – jede ein Zeichen des Trostes für Serkan Akin.

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