Stroemers Knallbonbons aus RW-Wundertüte
Sebastian Stroemer (mitte) sorgte mit seinen Toren zum 2:0 in Zweckel für die Überraschung des Tages.

Und das nur, weil der eingeplante Linksaußen Kevin Brewko beim Aufwärmen mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausgefallen war (siehe auch Angemerkt). RW Ahlens so wichtiges 4:1 beim so stark eingeschätzten SV Zweckel kam also ebenso überraschend wie die Knallbonbons aus der rotweißen Wundertüte.

 „Das hat sich Sebastian aber verdient“, lobte Routinier Faysel Khmiri, der als als zweiter Defensiver nach Niemeier eben mal in der Sturmspitze spielte. Temel Hop hatte auch noch abgesagt: „Ich brauchte einen Stürmer, der die Bälle halten kann“, verriet Trainer Carlos Castilla. „Und da Faysel sowieso eher offensiv ausgerichtet ist ...“

Alles richtig gemacht. Nach den beiden ersten Stroemer-Toren zum 2:0, für die der starke Venker, Dahlhoff und Nebi auflegten, ließ Khmiri nach einem Torwart-Fehler von Grüger per Volleyschuss aus elf Metern das 3:0 zur Pause folgen. Nach den Reinfällen gegen Erkenschwick und Neuenkirchen kam Ahlen zurück wie von der Tarantel gestochen.

 Nach der Pause hatte Zweckel zwar eine gute Phase, aber weder das 1:3 durch Jonas Schmidt (54.) noch die heikle Rettungsaktion von Rückkehrer Wilms Dell’Unto, der den Ball für Hinkerohe gegen Schmidt von der Linie drosch (54.), änderte etwas an der Ahlener Dominanz, die nun aufs Konterspiel setzte. Nur nicht konsequent genug: „Diese Chancen haben wir nicht ausgespielt“, tadelte Castilla die nicht genutzten Möglichkeiten allein vor dem Tor, von denen Backszat allein zwei verpasste.

Folgen hatte das diesmal nicht. Im Gegenteil, wenigstens ein Gegenstoß saß dann doch noch: Der eingewechselte Greco gibt auf Nebi, und der vollendet ins Eck zum 4:1 in der Schlussminute. Erst zweimal vier Tore kassiert, dann vier gemacht: „Wir sind eben Schalke für Arme“, kommentiert Castilla das rotweiße Auf und Ab. „Ist alles Einstellungssache“. Da wird ihm Sebastian Stroemer wohl Recht geben.

Sekt und Selters auf dem Debütantenball

Hier Barfuß, da Lackschuh: Kevin Brewko und Sebastian Stroemer waren beide auf den Debütantenball in Zweckel geladen, aber nur mit Stroemer steppte der Bär. Während Brewko schon beim Aufwärmen vor seinem ersten Auftritt mit RW Ahlen umknickte und mit Verdacht auf Kreuzbandriss auf dem Weg ins Hospital war, schoss sich schon sein junger Ersatz-Linksaußen auf Wolke sieben. „Der hat wohl gedacht, er ist bei ’Vorsicht Kamera!‘“, grinste sein Trainer Carlos Castilla wie ein Honigkuchenpferd, nachdem der 21-Jährige bei seiner Premiere die zwei Tore zum 2:0 in Zweckel markierte.

 Er, über den Castilla am Freitag noch mutmaßte, es sei wohl noch zu früh für einen Einsatz, man täte ihm keinen Gefallen. Er, über den Manager Joachim Krug am Freitag noch sagte, er würde Stroemer bringen, der kämpfe und laufe wenigstens. Und so hat dann das Schicksal gewürfelt.

Brewko war für die Startelf vorgemerkt und landete in der Ambulanz, Stroemer sollte sitzen bleiben und ging doch steil. Sekt und Selters: Geschichten, die nicht nur der Fußball schreibt, sondern auch das Leben. „Als ich heute morgen aufwachte“, verriet Stroemer anschließend, „hätte ich nie gedacht, dass der Tag so endet.“ Das Zitat hätte auch von Kevin Brewko stammen können. Verrückte Welt. (uwe)

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