Triumph des Gelsenkirchener Barocks
Sehr unfein: Damir Ivanicevic, auf einem Auge unfreiwillig blind, wird rabiat aufgehalten.

 Viel unnötiger Ballast auf dem Weg zum Aplerbecker Tor: Hier noch ein Schnörkel, da noch ein Ableger, dort ein Haken - sieht klasse aus, wer braucht da noch Tore? In der Tat wechselbadeten die Ahlener gegen den mutigen Aufsteiger von Genie (bis zum ASC-Strafraum) zu Wahnsinn (im ASC-Strafraum).

„Ich hab’ meinen Jungs immer vertraut, dass sie irgendwann eine Chance nicht liegenlassen“, markierte Trainer Marco Antwerpen Nervenstärke für die ersten 70 Minuten. Der hatte gut reden, denn als der Knoten platzte, tat er es ohne ihn. Kaum hatte der Unparteiische Ahlens etwas zu forschen Trainer auf die Tribüne verbannt (72.), siehe da!, explodierte Ahlens überhitzte Tormaschine. Ivancicevic nach Vorarbeit von Schaffer zum 1:0 (73.), und Warweg schickt Stratakis im Konter zum 2:0 (85.) – erledigt. Endlich. Herrjeh!

 Es hätten auch die Tore zum 13 und 14:0 sein können, so oft kreiselten die Ahlener in kurzen Hosen und langen Gesichtern vor Dortmunds Tor, ohne zu treffen. „Topleistung, klasse Spielzüge, riesen Reaktion“, lobte Antwerpen mit Blick auf die letzte 1:7-Niederlage gegen Erndtebrück und hat natürlich recht.

Der Zug ZUM Tor war ab der ersten Minute mitreißend und überwältigend, aber beim Zug INS Tor hatten wohl die Lokführer gestreikt. So sehr, dass die Begeisterung über die eigenen arabesken Verzierungen mehr und mehr der Nervosität wich. Denn auch Dortmund konnte kontern – Stauder parierte noch gegen Schwarz (9.) und Seifert (18.). Heikel, heikel.

Denn die neue Offensive mit Yildirim ganz vorn und Ivancicevic samt Warweg auf den Außen, weil Backszat auf der „Sechs“ Gültekin vertrat, war ungeheuer effektiv, ohne schnelle Ergebnisse zu produzieren. Zwischen Backszats ungeplanten Freistoß an den Innnenpfosten (1.) und Warwegs Fehlversuch, freistehend am langen Eck (91.), lagen mindestens ein Dutzend Großchancen aller Ahlener Offensivkräfte, die verstolpert (Yildirim), schlecht gezielt (Warweg, Schaffer), gehalten (Ivancicevic), vertändelt (Backszat) oder auf der Linie gerettet worden waren (Münzel gegen Yildirim). Zum Ende triumphierte der nüchterne Ahlener Kreisel hoch verdient, die barocken Ornamente drumrum waren nur überflüssige, scharfe Zacken im rotweißen Krönchen.

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