Trotz 3:0 steppt Bär erst nächste Woche
Anlehnungsbedürftig: Adem Cabuk (r.) wird im Luftkampf von David Zajas regelwidrig gestoppt

Muss der Bär halt erst Mittwoch gegen Dornberg oder Sonntag gegen Roland steppen. Dabei war der schon gestern bestens in Tanzlaune. Dem 3:0 der Wattenscheider hatte Ahlen weder personell noch mental etwas entgegenzusetzen.

„War lange Zeit auf Augenhöhe, aber wir können nun mal nicht so gut nachlegen wie Wattenscheid“, bedauerte Trainer Marco Antwerpen, bei dem sich gerade noch drei Feldspieler auf der Bank tummelten. In den ersten 25 Minuten waren die Gastgeber sogar leicht überlegen. Vor rund 400 eigenen Fans hatte die SG ernsthafte Einstiegsprobleme gegen die Ahlener, die taktisch vor allem im Zentrum gute Bälle abgriffen. Baumbach aus der Distanz (Latte) und Nebi allein vor dem Tor (aufs Tornetz) hätten die Ahlener glatt klar in Front schießen können.

 „Diese Chancen waren unsere Wachmacher“, glaubt SG-Coach André Pawlak, dessen Kombo von nun an auch wie ein Aufstiegskandidat auftrat. Trisics Treffer (31.) und der durchgesteckte Konter auf Brümmer zum 2:0 nur sechs Minuten später waren bereits der Anfang vom Ende für die nun klar unterlegenen Rotweißen, die trotz Personalproblemen und der um sich greifenden Frustration im Verein dennoch ein ordentliches Spiel ablieferten.

 Ein Solo von Ferati ging sogar noch nur knapp daneben (57.), aber die Dominanz hatte nur einen Namen: Wattenscheid, das jetzt selbst über die Mitte in Ahlens Seite einbrach. Ehe der eingewechselte Stürmer Enzmann Niemeier und Wilms Dell’Unto entwischte und das finale dritte Tor erzielte (82.), war es noch Tormann Hinkerohe, der mit Paraden gegen Koitka, Issa und Trisic eine höhere Niederlage verhinderte.

 „Gezittert hab’ ich da draußen nie“, war Übungsleiter Pawlak die Ruhe selbst, um den Aufstiegsbären noch nächste Woche von der Kette zu lassen. Die haben wenigstens noch was, worauf sie sich freuen können. Ahlen will hingegen nur eins: Pause.

Der Kommentar

Angst vor den

Launen des Vermieters

Seit zweieinhalb Jahren schon kämpft das einstmalige Flaggschiff für die Ahlener Stadtwerbung bereits gegen den drohenden Untergang. Aber die, die seinerzeit gerne auf dem Sonnendeck promenierten zeigen nun keinerlei Interesse mehr, aber auch nur ein bisschen bei den Rettungsarbeiten mitzuhelfen. Mit Sicherheitsauflagen, die anscheinend nicht einmal in der damaligen Zweiten Bundesliga nötig waren, schlagen Stadt Ahlen und die Polizei im Kreis stattdessen noch größere Lecks in den Bug.

Zweimal Minus gemacht: gegen Beckum und gegen Wattenscheid musste RW Ahlen zuschießen, um die Bedingungen zu erfüllen, die bei jeweils nicht einmal 900 Zuschauern völlig überzogen waren. Da der Verein nur von Monat zu Monat rechnen kann, fehlen jetzt nicht nur die Beträge, um die Gehälter zu zahlen, sondern auch das Geld für die Planung der kommenden Saison.

Natürlich wollen die verantwortlichen Behörden kein Risiko eingehen, natürlich ist es auch ein Problem des Vereins, seine paar Chaoten in den Griff zu kriegen. Aber etwas mehr Entgegenkommen und Fingerspitzengefühl hätte man erwarten können.

 Jetzt haben die RW-Verantwortlichen sogar Angst vor weiterer Willkür ihrer Heimatstadt. Einige wollen nicht zitiert werden in ihrem Urteil über die Launen ihres Stadion-Vermieters. Man befürchtet die Retourkutsche mit neuen Auflagen am Mittwoch gegen Herne, die dem ungeliebten Verein den Rest geben sollen. So weit ist es schon gekommen.

Uwe Gehrmann

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