Ungewisse Zukunft aus den Köpfen laufen
Bild: Hoheisel
Blick auf den Übungsplan: Martin Masjosthusmann von der LG Burg (v. l.) und Abdi Isli, Asad Rehman, Ahmad Diswar sowie Samuel Welderufael freuen sich auf das gemeinsame Training.
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Martin Masjosthusmann von der LG Burg hängt an diesem Dienstagabend gerade den Trainingsplan an einer Wand auf, da kommen Abdi Isli, Asad Rehman, Ahmad Diswar und Samuel Welderufael um die Ecke. „Hey, was machen wir heute?“, fragt Abdi Isli, gibt Masjosthusmann die Hand und grinst über das ganze Gesicht – in diesem Moment offenbart sich die geballte Lebensfreude eines Menschen, der in seinem Leben schon zu viel Leid und zu wenig Glück erlebt hat.

„Seit neun Monaten in Deutschland“

Wenig später trudeln die anderen Sportler der Laufgemeinschaft am Sportzentrum Burg ein. Wieder werden Hände geschüttelt, es wird gelacht. Man hat nicht den Eindruck, dass die vier Männer als Trainingsgäste hier sind. Man hat den Eindruck, als gehörten sie längst dazu. „Ich bin seit neun Monaten in Deutschland“, sagt der 24-jährige Abdi Isli, dessen Deutsch für ein paar Sätze reicht. Er berichtet, aus Somalia über Italien hergekommen zu sein. Er könnte also genau den Weg hinter sich gebracht haben, über den aktuell fast täglich in den Medien gesprochen und geschrieben wird. Für weitere Auskünfte reichen in diesem Moment sowohl Sprachkenntnisse als auch Zeit nicht aus – das Training beginnt in wenigen Minuten.

Beim ersten Wettkampf auf Platz fünf

Seit ein paar Wochen nun laufen die Flüchtlinge, die derzeit in einem Übergangswohnheim in Bokel leben, bei der DJK sowie der LG Burg mit. Und auch den ersten Wettkampf haben einige schon hinter sich. So ist Samuel Welderufaeal, der aus Eritrea stammt, beim Volkslauf in Clarholz mit einer Zeit von 18:31 Minuten über fünf Kilometer direkt auf Platz fünf gerannt. Das kann sich sehen lassen. Dem Lauftreff der DJK Bokel und der LG Burg geht es jedoch nicht um Ergebnisse.

Integration, die nicht geht, sondern läuft

„Durch das Laufen mit uns können sie sich ablenken und die Sorgen abschütteln“, sagt Martin Masjosthusmann. Franz-Josef Wiesbrock aus Bokel, der in beiden Vereinen aktiv ist, bringt einen weiteren Punkt ins Spiel: „Besser kann man die Jungs doch gar nicht eingliedern.“ Er untertreibt. Denn das, was bei der DJK Bokel und der LG Burg derzeit passiert, zeigt, dass Integration nicht nur gehen, sondern sogar ziemlich schnell laufen kann.

Weitere Hintergründe über die Flüchtlinge, die momentan bei der LG Burg und dem Lauftreff der DJK Bokel trainieren, lesen Sie am Freitag in der Rheda-Wiedenbrücker Ausgabe der „Glocke“.

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