Wer verliert, wenn Siegen verboten ist?
Gewinnen, verlieren, Jubel, Frust: Die F Jugend, hier ein Jung-Aramäer beim Torjubel, durfte bei den Stadtmeisterschaften nur einen „inoffiziellen“ Sieger haben. Darüber kann man herrlich streiten.

So die Idee vom Westfalia-Vorsitzenden Peter Wiethaup, der richtig Mitleid mit seinen F-Junioren hatte. Die gewannen am Samstag in der Spielgemeinschaft mit Enniger jedes Spiel der Ahlener Stadtmeisterschaften und waren am Ende dann – eben doch nicht Stadtmeister.

„Erlebnis- statt Ergebnisfußball“, fasst Udo Zambo die „Kinder-Philosophie“ des Verbandes griffig zusammen, die seit der letzten Spielzeit bei Minis (G) und F-Jugend keine Gewinner mehr erlaubt. „Man will die Kleinen nicht mehr unter Siegeszwang setzen“, so der Vorsitzende des Kreisjugendausschusses. Und so gibt es statt Siegerpokal für einen lieber Medaillen für alle und statt Siegerehrung am Ende kommt man zu einer Danksagung zusammen.

 Was Zambo im Grunde völlig in Ordnung findet. Viele Vereine aber nicht, denen in ihren Turniere die Anreize verlorengehen – wer trotzdem Finals ausspielt und Pokale verteilt, muss Ordnungsgeld zahlen. „Wenn unsere Kinder da nicht lernen, mit Anstand auch mal zu verlieren, wann denn dann?“, findet Wiethaup auch sport

pädagogisch keinen Grund, die zarten Kinderseelen zu schonen. „Ach, bei den G-Junioren ist das schon in Ordnung und eine schöne Sache“, ist Udo Zambo teils überzeugt. „Die wollen einfach nur Fußball spielen. Da machen die Eltern mehr Probleme als ihr Nachwuchs“, grinst er. Dennoch sieht der Kreis-Jugendchef auch Handlungsbedarf.

 F-Jugendliche im Alter von sieben bis acht Jahre seien oft mental so weit und stabil, „die machen ihren Sieger einfach unter sich aus“, hat Zambo beobachtet und will bei der Beiratstagung im Februar in Kaiserau das Thema nochmal auf den Tisch bringen. „Wir sind ja alle noch in der Testphase“, sagt er und könnte sich auch Alternativen vorstellen: Also den F-Jugendlichen das Siegen wieder erlauben, aber stattdessen vielleicht die Größe der Tore in der Saison reduzieren? „Ergebnisse von 25:0 oder 17:1 sind nicht im Sinne des Erfinders“, ärgern Zambo solche bösen Fallbeil-Resultate, die bei schwächeren Mannschaften wohl mehr Schaden anrichten, als bei einem Turnier Vorletzter zu werden.

Bis es so weit ist, muss aber nicht nur Vorhelm seine lütten Sieger weiter noch insgeheim ehren. Im Clubheim, wenn der Verband gerade nicht hinschaut.

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