Westfalenliga: Karten auf den Tisch
In neuen Gewande: Rouven Tünte (m.) jetzt im Leibchen der Beckumer SV. Ob der angeschlagene Neuzugang vom SC Roland gegen Herford aufläuft, ist noch nicht sicher.

 Fragen über Fragen, aber muss es dazu ausgerechnet der SC Herford sein, der erste Antworten herauslocken soll? Hätte man nicht auch eine Stufe kleiner anfangen können? „Wir haben noch zwölf Spiele, keiner verschenkt die Punkte“, ist es Trainer Erdal Kaleoglu eigentlich auch wurscht, ob da – wie nun mal am Sonntag um 15 Uhr – der Liga-Dritte erscheint oder sagen wir mal Vreden. „Wir wollen gegen alle gewinnen, und so treten wir auch auf“, sagt er vor dem Start zur „Mission Klassenerhalt“ auf der Römerkampfbahn.

Die letzten Tests machten immerhin Mut. „Da lief schon einiges nach Plan“, sagt der Trainer. Gut, er hat noch Nachholbedarf an taktischen Vorgaben erkannt, „Pressing und tief stehen, da hatten wir schwächere Phasen“, aber konditionell, so Kaleoglu weiter, da sei alles top. Laufen können bis zum Schluss wäre gegen die Gäste, die immer noch glashart um den Aufstieg spielen, sicherlich angebracht, denn die verlangten Beckumer Tugenden von „Grasfressen“ bis „gesunder Härte“ werden wohl immer noch die Trumpfkarte des Liga-Dreizehnten sein.

Man muss hier allerdings etwas spekulieren, weil Kaleoglu doch lieber die allermeisten Informationen für sich behalten will – vielleicht auch gar nicht so dumm in der nun beginnenden Druckphase, um sich alle Optionen offen zu halten. Wer spielt, mag er nicht sagen. Ob die griechischen Neuzugänge die erhoffte Qualität in den Kader bringen, „wird man sehen.“ Ob Rouven Tünte antreten könne, sei nicht sicher: „Abwarten, ob er durchspielen kann“, verweist Kaleoglu aufs Abschlusstraining. Dass Herford Schwächen habe, wo auch der Favorit zu packen sei, ja, das habe er beobachtet, teilt er mit. Welche das seien, das hingegen will er nicht verraten.

Wie gut, dass wenigstens das Spiel öffentlich ist.

Raus aus der Pause, rein ins Spitzenspiel

 Da ist man selbst als Trainer etwa hin- und hergerissen. Gegen gute Teams tue man sich leichter, sagt Robert Mainka. Aber der Trainer des SC Roland muss einschränken: „Das Spiel ohne Ball fällt uns dafür schwer.“

Was tun? Am besten wäre es, im Spitzenspiel der Westfalenliga beim SuS Neunkirchen die Balance zu wahren. Taktische Disziplin halten gerade dann, wenn es auf gute Nerven ankommt. Denn für Roland ist die Rückrunden-Premiere im Waldstadion beim Liga-Zweiten eine ganz wichtige Standortbestimmung. „Gewinnen wir, sind wir im Kampf um die ersten drei Plätze ganz dick drin“, sagt Mainka und fügt pragmatisch an: „Und wenn nicht, dann nicht. Na ja, vorerst ...“

Denn noch weiß er natürlich nicht, wie seine Jungs aus der Testphase herauskommen. „An guten Tagen sind wir selbstverständlich auch stark genug für die Spitzengruppe, an schlechten nicht“, denkt er auch an das Hinspiel, das seine Roländer bei „gefühlt 80 Prozent Ballbesitz“ nach drei Kontern mit 0:3 verloren haben. War wohl kein so guter Tag.

Was bedeutet, dass man auch hier an die fein austarierte Balance achten muss. Offensiv? Ja, auf jeden Fall, das können sie. Aber gleichzeitig höllisch aufpassen, nicht in die Gegenstöße des SuS zu laufen. Denn „ohne Ball“, so sorgt sich ja der Chef, hat seine Truppe bekanntlich Probleme. Immerhin steht schon die gesamte Abwehrabteilung, bei den „vier bis fünf Positionen davor denke ich noch nach“, hat Mainka seine Stammelf noch nicht ganz beisammen – bis auf Achenbach, der nach dem Innenband-Anriss leicht dosiert trainiert – hat der Trainer die freie Wahl. Und freut sich schon. „Nein, ich bin beileibe nicht nervös“, sagt er. „Dafür habe ich schon ein bisschen was erlebt beim Fußball.“ Wenigstens einer hat noch die Ruhe weg.

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