Wuppertals unverdiente Gunst des Komas
Erste Hilfe: Torwart Bernd Schipmann wird benommen am Boden behandelt, René Lindner legt ihm schon die Beine hoch. Nach dem Zusammenprall traf Wuppertal zum 1:0-Sieg – der Unparteiische hatte einfach weiterspielen lassen.

„Das ist jetzt schade, die Jungs hätten mindestens einen Punkt verdient gehabt“, kommentiert RW Ahlens Trainer noch sehr verhalten, aber im Innern muss es gebrodelt haben, als er unter Regel 5, Absatz 3 las: „Der Schiedsrichter hat das Spiel zu unterbrechen, wenn ein Spieler ernsthaft verletzt ist, und zu veranlassen, dass dieser vom Spielfeld gebracht wird.“

 Hat der Unparteiische Luca Marx am Samstag in Wuppertal aber nicht. Nach einem Zusammenprall 20 Meter vor dem Kasten blieb Ahlens Torwart Bernd Schipmann in der 70. Minute benommen liegen, Wuppertal nutzte diese unverdiente Gunst des Komas und Ametov schlenzte den Ball zum 1:0-Sieg in die Maschen.

 „Die Schiris waren nach dem Abpfiff schnell weg, ich konnte mich gar nicht verabschieden“, bedauert Mehnert. Der den Dreien sonst folgendes auf den Weg mitgegeben hätte: „Es war wohl kein Foul, gut, auch Wuppertal hätte den Ball ins Aus spielen können, dennoch: Wenn der Torwart nicht mehr mitspielen kann und sechs Stafetten folgen, erwarte ich vom Schiedsrichter, dass er unterbricht.“

 Doppelt, dreifach ärgerlich, denn nach nervösen Beginn auf wackeligen Beinen waren die Ahlener Gäste zu diesem Zeitpunkt schon längst selbstbewusster geworden, hatten Wuppertal müde gespielt und waren bereit, selbst die Regie zu übernehmen. Geisler, Erwig-Drüppel, Ametov, Studtrucker und Ahlens ehemaliger Stürmer Marzullo scheiterten in einem nur mäßigen Spiel allesamt in Hälfte ein, unter anderem auch gegen einen gut aufgelegten Schipmann im Tor.

 Mit Maiellas Chance – die Sturmspitze zog knapp am linken Pfosten vorbei (43.) – deutete sich bereits an, dass RW Ahlen nach und nach ins Spiel fand. „Nach einer Stunde etwa hatte ich das Gefühl, wir wurden läuferisch und kämpferisch stärker, die Körner beim WSV wurden weniger“, urteilte Mehnert. „Wir haben den Gegner nun auch weiter vom Tor weggehalten.“

 Nicht weit genug, wie Schipmanns Unfall zehn Minuten später zeigte. Von aller Hilfe des Schiedsrichters allein gelassen, erholte sich Ahlen vom Rückstand und dem Rummel nach der Karambolage nicht mehr. Aber auch die Gastgeber machten mental früh Feierabend. Veith Walde, der für Schipmann einsprang, musste keinen Ball mehr entschärfen. Es war wohl genug Aufregung gewesen für den ersten Arbeitstag.

Damit kann man arbeiten

 Geblieben sind die Kopfschmerzen und eine Zugfahrkarte. Zusammen mit Torwarttrainer René Grabowski hatte Bernd Schipmann nach seinem bösen Zusammenstoß zuerst das Krankenhaus aufgesucht, um eine Computertomographie zu machen. Dann ging´s per Eisenbahn der Mannschaft hinterher. „Wohl nur eine leichte Gehirnerschütterung“, erzählt Trainer Björn Mehnert. „Ich hoffe, dass er in ein paar Tagen wieder auf dem Platz steht.“ 

Derweil wird das Foul und die (nach)lässige Haltung von Schiedsrichter Marx weiter heiß diskutiert. „Ob wir wohl in dieser Situation den Ball ins Aus gespielt hätten?“, fragt sich René Lindner ehrlich. Und muss zugeben, dass auch Ahlen einen geschenkten Treffer gern genutzt hätte. „Aber der Unparteiische muss das selbstverständlich unterbinden.“ Erlaubt ist immer noch, was nicht gepfiffen wird.

 Also eine ärgerliche Startniederlage, die aber selbst mit dem ängstlichen und zu zaghaften Beginn auf Ahlener Seiten, Mut macht. „Wuppertal ist nun mal keine Laufkundschaft“, sagt Verteidiger Lindner. „Natürlich waren wir anfangs nervös, aber wir wurden immer besser, und man hat gespürt, wie gut wir in der Vorbereitung gearbeitet haben. Nächste Woche zuhause gegen Aachen gewinnen wir das Ding.“ 

Sein Trainer trägt das 0:1 ebenfalls mit Fassung. „Gut, in der ersten Halbzeit hatten wir Glück. Wuppertal hat da nicht den letzten Pass an den Mann gebracht. Wir haben Lehrgeld bezahlt“, räumt Mehnert ein und schiebt das auch ein wenig auf die Unerfahrenheit seiner Mannen. Vergisst aber nicht ein großes Aber: „Danach haben wir Wuppertal platt gelaufen, die Spieler haben sich aufopferungsvoll reingehängt.“ Ist doch was, damit kann man schließlich arbeiten.

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