„Man vergisst jegliches Zeitgefühl“



Rheda-Wiedenbrück (ng) -  Zerbrechlich, unter Hitzeeinwirkung entstanden sind die Arbeiten des Wiedenbrücker Glaskünstlers Willi Repke junior. Der Nachfahre des Kunstmalers Willi Repke sen. (1911 bis 2009) und des Kirchenmalers Heinrich Repke (1877 bis 1962) ist im familieneigenen Atelier an der Hauptstraße 24 in dritter Generation kreativ tätig.

Willi Repke jun. in dritter Generation im Kunstatelier der Famlie in Wiedenbrück tätig. Sein Metier: Glasarbeiten.

Nach ersten Gehversuchen in der Kunstmalerei hat Willi Repke jun. 1996 die Glasgestaltung für sich entdeckt. „Ich war von diesem Werkstoff von jetzt auf gleich fasziniert“, erinnert sich der 59-Jährige. „Die anfängliche Begeisterung habe ich bis heute nicht verloren.“

Als „Flow“ bezeichnet Repke, der Sport, Kunst, Geschichte und Politik studiert hat, den aus seiner Sicht künstlerischen Idealzustand. „Wenn es fließt und einem die Arbeit wie selbstverständlich von der Hand geht, vergisst man jegliches Zeitgefühl“, beschreibt der Vater dreier Kinder seine produktivsten Schaffensphasen. „Das völlige Aufgehen und Vertieftsein in der Arbeit und die Freude, anschließend das Ergebnis in der Hand zu halten, beflügelt mich immer wieder neu.“

Der Marienfelder Glasgestalter Georg Michael Gausling hat Willi Repke ab Mitte der 1990er-Jahre in die filigrane Kunstrichtung eingeführt. Repkes Vater stellte den Kontakt zu dem Künstlerkollegen her. „Gausling hat mir alles gezeigt, was er wusste, und das war viel“, ist der Wiedenbrücker seinem Lehrmeister noch heute verbunden.

24 Stunden und viel Hitze sind erforderlich, damit die Werke von Willi Repke den letzten entscheidenden Schliff erhalten. Einen ganzen Tag lang müssen die Glasarbeiten bei Temperaturen zwischen 400 und 840 Grad Celsius im Ofen brennen. Erst wenn die Höchsttemperatur erreicht ist, beginnen die einzelnen Glasschichten und -elemente, aus denen jedes seiner Kunstwerke besteht, miteinander zu verschmelzen. Diese Verbindung ist dafür aber auch keine auf Zeit, sie hält ewig. Nur massive Krafteinwirkungen auf die zerbrechlichen Bilder, Skulpturen und Außeninstallationen können deren vorzeitiges Ende bedeuten.

Mehr in der „Glocke“ am Freitag.

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