Mann soll Tochter jahrelang missbraucht haben



Rietberg (gdd) - „So bitter es auch klingen mag: Ich habe meine Tochter als Eigentum und nicht als schützenswerte Persönlichkeit wahrgenommen. Ich bin schuldig.“ Dies sagte gestern vor dem Landgericht ein Mann, der des schweren sexuellen Missbrauchs seines einzigen Kindes verdächtigt wird.

Ein Mann soll seine Tochter über acht Jahre lang missbraucht haben.

 Der 50-jährige kaufmännische Angestellte, so die Anklage, soll seit Anfang 2005, als seine Tochter ein Jahr alt war, seine Perversionen ausgelebt haben. Fast acht Jahre lang war ihm das Mädchen hilflos ausgeliefert. Bis die Polizei Bilddateien im Internet überprüfte, die der Rietberger angefertigt und zum Herunterladen freigegeben hatte. Hauptmotiv sei für ihn nicht der sexuelle Missbrauch, sondern die „Erstellung von Bildern“ für Gleichgesinnte gewesen, räumte der Mann gestern ein. Tatorte seien erst die Wickelkommode, später das Wohnzimmersofa, Schlafzimmer, Bad und Toilette gewesen.

Gleichgesinnte gesucht

Mit selbst gefertigten Bilder sei er auf der Suche nach einem „geschlossenen Zirkel, in dem es um Sammlungen geht“ in einem „anonymisierten Netzwerk fündig“ geworden. Im häuslichen Umfeld des Rietbergers deutete nichts auf das Geschehen in der Familie hin, von dem die Ehefrau nach Ansicht der Ermittler über Jahre hinweg nichts geahnt habe. Das Haus war abbezahlt, der Gatte verdiente 4000 Euro netto; das einzige Kind schien umsorgt zu sein. Er habe an sexueller Frustration gelitten, seit er 1999 unfallbedingt mit Potenzstörungen zu leben habe. Aber vordergründig seien, so analysierte sich der Angeklagte selber, „verworrene Gedanken, diese Bilder zu besitzen“ gewesen.

340000 Bilder und Videos

Als die Polizei im November 2012 Computer, mehrere Laptops, USB-Sticks und externe Festplatten beschlagnahmte, kam sie auf insgesamt 340 000 kinderpornografische Bild- und Videodateien. Manchmal habe er sich gewünscht, seine Ehefrau würde ihn beim stundenlangen nächtlichen „Treiben“ am PC erwischen – „damit das ein Ende hat.“ Ob die Aussagen des Angeklagten glaubwürdig oder Schutzbehauptungen sind, muss jetzt die vierte Strafkammer des Landgerichts prüfen. Eine Nebenklage läuft, eine Gutachterin steht bereit. Vor seiner Verhaftung versuchte der 50-Jährige sich zu töten: „Weil mir bewusst wurde, welches Unglück ich über meine Familie gebracht habe.“ Ein zweiter Suizidversuch erfolgte während der laufenden U-Haft. Der Prozess

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