„Markt 13“-Urteil zum Denkmalschutz



Rheda-Wiedenbrück (ssn) - Nach fast zehn Jahren Leer- und Stillstand an der Adresse Markt 13 in Wiedenbrück ist jetzt ein Ende der Durststrecke in Sicht. Das Verwaltungsgericht Minden hat geurteilt, dass lediglich das Äußere des Fachwerkhauses dem Denkmalschutz unterliegt.

Nach fast einem Jahrzehnt des Leerstands wirkt das Gebäude „Markt 13“ in Wiedenbrück heruntergekommen. Weil die Denkmalwürdigkeit der Immobilie nicht geklärt gewesen sei, habe er keine Planungssicherheit gehabt, begründet der Besitzer den Ist-Zustand. Jetzt hat das Verwaltungsgericht in Minden die Sachlage geklärt: Nur die Fassade des Fachwerkbaus steht unter Denkmalschutz.

Über Veränderungen im Inneren der Immobilie darf der Eigentümer nach eigenem Ermessen entscheiden. „Damit habe ich nun endlich Planungssicherheit“, sagt der Rheda-Wiedenbrücker, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Im Februar 2009 hatte er das schmucke Bauwerk in Filetlage erworben. Nur wenige Monate zuvor musste der darin befindliche Gaststättenbetrieb aufgrund eines Brands eingestellt werden. Statt Bierlaune herrscht dort seither Totentanz. Mehrfach habe er Anläufe unternommen, diese Situation zu ändern und eine Nachnutzung herbeizuführen, erklärt der Besitzer am Donnerstag im Gespräch mit der „Glocke“. Die Stadt habe ihm indessen immer wieder Steine in den Weg gelegt und Baugenehmigungen versagt.

Nur Fassade denkmalwürdig

Zurückführen lassen sich die Streitigkeiten auf einen Eintrag der Immobilie in die Denkmalliste der Stadt im Jahr 1986. Damit räumte sie den zuständigen Denkmalbehörden zugleich ein Mitspracherecht – nicht nur – bei baulichen Änderungsvorhaben ein. Zu Unrecht, wie die erste Kammer des Mindener Verwaltungsgerichts jetzt – fast drei Jahre nach Beginn des Prozesses – befand. Zumindest, wenn es um das Innere des Gebäudes geht. Den Eigentümer freut diese Erkenntnis. Neu ist sie für ihn nicht. Schließlich habe eine mit öffentlichen Geldern geförderte Kernsanierung im Jahr 1987 bereits dazu geführt, dass im Bauch des Fachwerkbaus nichts mehr so ist, wie es historisch einmal war. Wände seien eingerissen und Stahlstützen eingezogen worden. Zudem habe man eine Holzdecke durch ein Pendant aus Beton ersetzt. „Da ist keine alte Bausubstanz mehr vorhanden“, bilanziert der Rheda-Wiedenbrücker.

Dass die Immobilie bei Umsetzung der Maßnahme den Denkmalschutz verliere, habe die Stadt seinerzeit im Übrigen sogar schriftlich in der Baugenehmigung vermerkt, betont der heutige Besitzer und verweist auf die Akteneinsicht, die er genommen habe. Dennoch sei bis heute keine Austragung aus der Denkmalliste erfolgt. „Die Stadt hat also seit 1987 wissentlich eine falsche Unterschutzstellung des Objekts unterstützt“, lautet sein Vorwurf. Damit ist nun Schluss. Die Denkmalliste müsse auf Basis des Gerichtsurteils korrigiert werden, erläutert der „Markt 13“-Eigentümer. „Damit ist für mich der Weg frei, ein neues Nutzungskonzept zu erstellen.“

„Bin für viele Konzepte offen“

Der Eigentümer des Gebäudes „Markt 13“ hatte in der Vergangenheit unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten für das Fachwerkhaus im Herzen Wiedenbrücks angestoßen. Dazu gehörte unter anderem eine Übernachtungsstätte als kombinierte Lösung mit dem benachbarten Hotel „Ratskeller“. Aus den Plänen wurde seinerzeit jedoch nichts. Die Untere Denkmalbehörde der Stadt habe nicht mitgespielt, sagt der Rheda-Wiedenbrücker. Und was soll jetzt aus dem markanten Bau auf dem Eckgrundstück zwischen Langer Straße, Marienstraße und Markt werden? „Ich bin für viele Konzepte offen“, erläutert der Besitzer der Immobilie. Es mangele weder an Miet- noch an Kaufinteressenten. Allerdings befinde er sich mit seinen Planungen „noch ganz am Anfang“. Er hoffe, dass sich die weitere Zusammenarbeit mit der Stadt nun leichter gestalte, betont er. Ziel einer Kommune müsse es sein, Denkmäler hinsichtlich ihrer Nutzungssituation attraktiv zu halten. Bislang habe er in dieser Angelegenheit eine Verhinderungsbehörde kennengelernt. „Es wäre wünschenswert, wenn daraus künftig eine Ermöglichungsbehörde würde.“

Die Stadt Rheda-Wiedenbrück zeigt sich nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts Minden gegenüber dem Immobilieneigentümer betont versöhnlich. „Ich hoffe sehr, dass wir zu ‚Markt 13‘ konstruktiv zu einer gemeinsamen Lösungsfindung kommen können“, lässt Theo Mettenborg auf Anfrage der „Glocke“ mitteilen. Die Stellungnahme des ersten Bürgers der Doppelstadt endet mit dem Satz: „Wir wünschen uns sicher alle, dass es bald zu einer positiven Entwicklung dieses Denkmals unserer Stadt an dieser besonderen Stelle kommt.“

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