Maskenpflicht: Kritik am Ministerium



Warendorf (det). Unter besonderen Bedingungen ist das neue Schuljahr in Nordrhein-Westfalen gestartet. Als einziges Bundesland hat hier die Pflicht bestanden, am Sitzplatz im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Diese Anordnung ist zum 1. September wieder aufgehoben worden.

Die Pflicht, auch am Sitzplatz im Unterricht eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, ist am Dienstag in nordrhein-westfälischen Schulen ausgelaufen.

 „Die Anweisung kam drei Minuten vor 16 Uhr am Vortag“, übt Marlis Ermer, Leiterin der Laurentianum, Kritik am Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen.  Nur wenig Zeit also, um sich auf die neuen Vorgaben einzustellen. Dennoch habe die Umsetzung geklappt, sagt sie.

Abstand halten ist schwierig

Auch wenn es nach wie vor Irritationen gebe. Ein Beispiel: „Die Lehrer müssen 1,5 Meter Abstand von ihren Schülern einhalten.“ Das sei für die praktizierte Unterrichtsform nur schwierig umzusetzen.

Grundsätzlich sei das Laurentianum aber gut aufgestellt, da die Klassenräume gut gelüftet werden könnten. „Wir können an den Längsseiten die Fenster komplett öffnen und querlüften“, erklärt Marlis Ermer. Das sei im Vergleich mit anderen Schulen ein Vorteil.

Schutzkonzept wichtig

Die Schulleiterin setzt darauf, dass sich ansonsten alle an das Schutzkonzept für Schulen halten. Zu den drei Säulen gehörten Hygienekonzepte, Rückverfolgbarkeit und die weiter bestehende grundsätzliche Maskenpflicht im Schulgebäude und auf dem Schulgelände.

„Gesellschaft funktioniert nur, wenn jeder seinen Beitrag leistet. Sonst gibt es ein Problem.“ Marlis Ermer hält es für wichtig, dass das Konzept für Schule in Zeiten der Corona-Pandemie weiter befolgt wird. „Wir geben uns Mühe“, sagt sie.

Das funktioniere seit Schulbeginn gut. Es habe kaum Probleme gegeben. Nur hin und wieder sei eine kleine Ermahnung notwendig gewesen, so die Schulleiterin. Direkte Maskenverweigerer habe es am Laurentianum bislang nicht gegeben.

„Unglaubliche Unverschämtheit“

„Das war eine unglaubliche Unverschämtheit.“ Uta Schmitz-Molkewehrum, Leiterin des Mariengymnasiums in Warendorf, hält mit ihrer Verärgerung über das nordrhein-westfälische Schul- und Bildungsministerium nicht hinterm Berg. Erst am späten Montagnachmittag seien die neuen Bestimmungen zur Coronabetreuungsverordnung abrufbar gewesen.

„Das ist nicht in Ordnung“, stellt sie fest. Eine Eltern- und Schülerbeteiligung sei so nicht mehr möglich gewesen. Und auch das Lehrerkollegium habe sich kaum auf das Auslaufen der Maskenpflicht am Sitzplatz im Unterricht einstellen können.

„Schüler sind gut damit zurecht gekommen“

Zumal die Regelung der Maskenpflicht im Unterricht in den Wochen nach den Sommerferien durchaus positiv angenommen worden sei. „Die Schüler sind damit gut zurecht gekommen“, weiß die Schulleiterin aus Gesprächen mit Schülern aus ihrem Pädagogik-Leistungskursus zu berichten. „Für sie war das völlig in Ordnung.“

Etwas beschwerlicher sei es nur während der Hitzeperiode für alle gewesen. Lediglich bei Klassenarbeiten sei der Wunsch geäußert worden, auf die Mund-Nasen-Bedeckungen zu verzichten. „Das ist auch nachvollziehbar“, so Uta Schmitz-Molkewehrum.

Keine Probleme

Ansonsten habe alles gut funktioniert. Auf dem Schulhof seien Pausen-Areale für Lerngruppen nach Jahrgangsstufen eingerichtet worden. Und auch die Abstandsregeln auf dem Schulhof seien bis auf kleine Ausnahmen zumeist eingehalten worden. Probleme habe es nicht gegeben.

Noch seien viele Fragen offen, sagt die Schulleiterin. Daher habe sie schon mehrfach mit der Bezirksregierung Kontakt aufgenommen, um alles abzuklären.

Infos auf der Homepage

Damit die Eltern und Schüler richtig informiert sind, hat die Schulleitung mittlerweile die Homepage der Schule aktualisiert. „Zudem bekommen die Eltern noch einen Brief“, verspricht sie. Trotz der Lockerung in den Klassenräumen unterstreicht Uta Schmitz-Molkewehrum ausdrücklich: „Die Mund-Nasen-Bedeckung kann selbstverständlich auch weiter getragen werden.“

„Gut zwei Drittel der Schüler tragen ihre Masken weiter im Unterricht.“ Diese Erfahrung hat Endrik Kremkus, stellvertretender Leiter der Gesamtschule, am ersten Tag der Neuregelung gemacht. Zumindest in den beiden Stunden in der Jahrgangsstufe 5 sei das am Morgen so gewesen, sagt er.

Antrag der Klassen

Andere Klassen hätten sogar extra beantragt, weiterhin am Sitzplatz die Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, berichtet er. Doch das könne die Schule nach der neuen Verordnung nicht vorschreiben.

„Ich persönlich fühle mich mit einer Maske sicherer“, macht Kremkus deutlich. Schließlich schütze die Mund-Nasen-Bedeckung alle.

Vermischung vermeiden

Besonders wichtig sei es allerdings, die Abstandsregeln konsequent einzuhalten und auch ein Vermischen der Schülergruppen zu vermeiden. Das sei auf dem Schulhof leider nicht immer der Fall, weiß Kremkus. „Einige verstehen es, einige nicht“, schildert er seine Beobachtungen. „Das ist noch ein Lernprozess.“

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