Mit dem Großvater durchs Gartenwunder



Gütersloh (gl). Urgesteine erinnern sich noch gut an ihn – wie er einarmig von früh bis spät in den Anlagen schuftete oder auf dem Motorrad samt Seitenwagen durch die Stadt knatterte. Irene Müller, die bekannte Gütersloher Künstlerin, hatte eine besondere Beziehung zum Gärtnermeister Karl Rogge, dem die Gütersloher ihren Botanischen Garten verdanken: Er war ihr Großvater.

Die Künstlerin Irene Müller schuf auf Wunsch ihrer Mutter für das Grab ihres Großvaters Karl Rogge eine Bronzeskulptur. In die Hand der Mädchenfigur kann man Blumen stecken.

 In der dritten Folge der „Glocke“-Sommerserie zum 100-jährigen Bestehen des Parks verrät sie einiges über ihn. „Meine Mutter“, erzählt Irene Müller, „hatte als Kind mitunter richtig Angst vor ihm, weil er so streng war. Er forderte übermäßig viel von sich und daher auch von anderen.“ Vielleicht, um seine im Ersten Weltkrieg erlittene Behinderung zu kompensieren. Nur bei seinen Enkeln zeigte er sich milder.

Kindheit im Stadtgärtnerhaus

Die Künstlerin wuchs quasi im Stadtgärtnerhaus auf dem Gelände des Botanischen Gartens bei den Großeltern auf. „Es war herrlich dort.“ Für Irene und ihre Freundinnen wurde das Terrain zum Abenteuerland. Noch heute treffen sich die Frauen regelmäßig im Palmenhauscafé, um über die alten Zeiten zu klönen. Irene Müller kletterte mit Vorliebe auf die Bäume, schnitzte an einem Stück Holz herum, zupfte aus den Tulpen- und Mohnblüten die Stempel heraus, um sie in Farbe zu tunken und damit Stoffe zu bedrucken. Oder sie bastelte aus Grasbüscheln Puppen. „Die langen Wurzeln waren die Haare, die ich so gern geflochten habe, weil ich selbst immer nur Kurzhaarfrisuren geschnitten bekam“, sagt die Malerin, die man heute nur mit Zöpfen kennt.

Bester Dünger: Kuhfladen vom Nachbargrundstück

Der Großvater schickte sie manchmal unter dem Zaun durch auf die angrenzende Wiese des Hofs Kleßmann, um Kuhfladen einzusammeln. „Das ist der beste und billigste Dünger für die Pflanzen“, zitiert Müller Karl Rogge. Im Gewächshaus half sie ihm mit den Setzlingen und lernte viel übers Wachsen und Gedeihen. „In Biologie war ich immer die Beste, ohne in irgendein Buch zu schauen“, erinnert sich die 70-Jährige. Und auch, dass sie Ärger bekam, wenn sie wieder einmal den Kitt aus den Fugen des Gewächshauses heraus pulte, um daraus etwas zu kneten, hat sie nicht vergessen. Aber das Künstlerische in ihr wuchs ebenso beharrlich wie Blumen, Büsche und Bäume, die Karl Rogge pflanzte.

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