Mit Klimaschutz spart Handel auch Kosten



Warendorf (pw) - LED-Beleuchtung, Blockheizkraftwerk und Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, alles zentralgesteuert und verbrauchsoptimiert: Das Modehaus Ebbers in Warendorf spart mit neuem Energiekonzept jährlich 216.000 Kilowattstunden, 110 Tonnen CO2 und 34.000 Euro ein.

Zum "Klimafrühstück" im Warendorfer Modehaus Ebbers haben sich am Montag unter anderem (v.l.) Bürgermeister Axel Linke, Thomas Schäfer (Handelsverband Westfalen-Münsterland), Jelena Nikolic (Projektmanagerin "Klimaschutzoffensive" beim Handelsverband Berlin), Gastgeber Christoph Berger (Modeerlebnishaus Ebbers) und Landrat Dr. Olaf Gericke getroffen.

Die „Klimaschutzoffensive des Handels“ hat Ebbers am Montag als beispielhaftes Projekt anderen Unternehmern vorgestellt.

Ökologie und Ökonomie im Einklang

Mehr als 350 000 Einzelhändler gibt es in Deutschland. Die Klimaschutzoffensive des Handels soll gerade den kleinen und mittleren Unternehmen aufzeigen, wie sie klimaschädliche Emissionen und Energiekosten senken können. Eine Internetpräsentation zeigt auf, wo Einsparmöglichkeiten im eigenen Ladengeschäft liegen. Dazu gibt es eine virtuelle „Marktstraße“, Leitfäden, Checklisten und eine Übersicht der Erfolgsgeschichten aus dem Handel sowie eine bundesweite Energieberater-Datenbank. Der Handelsverband Deutschland (HDE) wird  von einer unabhängigen Denkfabrik für Klima, Umwelt und Entwicklung unterstützt. Die Klimaschutzoffensive ist ein auf drei Jahre angelegtes Modellprojekt, das vom Umweltministerium gefördert wird.

Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen und durch gezielte Maßnahmen der Energieeinsparung nachhaltig und effizient zu gestalten – das ist das Credo des Handelsverbands Deutschland und seiner „Klimaschutzoffensive Einzelhandel“.

Als einen Musterbetrieb für die Umstellung auf klimaschonende Haustechnik hat die Initiative das Warendorfer Modehaus Ebbers auserkoren. Am Montag waren Unternehmer zu einem „Klimafrühstück“ in das traditionsreiche Modehaus eingeladen, um am „lebenden Beispiel“ zu sehen, was möglich ist.

40 Prozent weniger Energieverbrauch

Christoph Berger verwies stolz darauf, dass sein Modehaus etwa 40 Prozent weniger Energie verbrauche als vergleichbare Geschäfte. Ob LED-Beleuchtungskonzept, hauseigenes Blockheizkraftwerk oder Belüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung auf dem Dach – die Gäste des „Klimafrühstücks“ konnten sich selbst überzeugen, was möglich ist, um Wohlfühlatmosphäre trotz sparsamen Energieeinsatzes zu schaffen. Allein der Gasverbrauch sei halbiert worden, die Energiekosten unter dem Strich um 34 000 Euro pro Jahr gesunken.

Alles werde zentral per Computer gesteuert. Andererseits hat Ebbers sogar die EDV selbst als Energiefresser im Blick: Intelligente Programmierung hilft, auch dem Kollegen Computer außerhalb der Geschäftszeiten Ruhephasen zu gönnen.

Altstadtlage erfordert viel Feingefühl

Wer wie Ebbers eine Verkaufsfläche von 3000 Quadratmetern auf acht Ebenen in fünf Gebäuden aus unterschiedlichen Bauperioden hat, der braucht schon ein ausgeklügeltes Energiekonzept. Denkmalschutz und Gestaltungssatzung für die Innenstadt sind dabei zu berücksichtigen.

Seit 2014 setzt Chef Christoph Berger sein Energiekonzept um. Sechs Heizanlagen mit zehn Wärmeerzeugern, drei Lüftungs- und 18 Klimaanlagen wurden in eine Energiezentrale zusammengeführt. 216.000 Kilowattstunden Energie werden jährlich eingespart – das ist ein Jahresstromverbrauch von 50 Vier-Personen-Haushalten.

<mediaobject class="imageleft" id="X0.704068808385004" type="image" uid="f59781b5-c415-4bf7-9b63-541d88e1110a" url="http://ecms.die-glocke.de/alfresco/d/d/workspace/SpacesStore/f59781b5-c415-4bf7-9b63-541d88e1110a/img_1576.JPEG" uuid="f59781b5-c415-4bf7-9b63-541d88e1110a"> <element name="Unterschrift"/> <element name="Quelle"/> </mediaobject>Die Technik zeigte den Besuchern am Montag Haustechniker Holger Grabolle (Bild). Mit 110 Tonnen CO2-Ersparnis profitiert auch das Klima. Und übrigens auch Mitarbeiter und Arbeitnehmer, denn die Wohlfühlatmosphäre im Modehaus hat laut Berger auch zum Rückgang von Fehltagen wegen Erkrankungen um 25 Prozent geführt.

Keine Genehmigung für PV-Anlagen?

Im September 2018 gewann Ebbers den mit 10 000 Euro dotierten Energie-Innovations-Preis NRW. Jetzt möchte Berger Dachflächen des Komplexes für Photovoltaikanlagen nutzen. Doch noch steht er dabei in Verhandlungen mit der Stadt Warendorf, denn die Altstadtsatzung verbietet solche technischen Anlagen, wenn man sie vom öffentlichen Straßenraum aus sehen kann.

Texte und Fotos von die-glocke.de sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.