Mit Radtour Fokus auf Parkinson lenken



Kreis Gütersloh (dl) - Mit dem Fahrrad vom Kölner Dom aus den Rhein entlang über Koblenz, Alzey und Karlsruhe bis nach Baden-Baden – das hat sich eine Gruppe an Parkinson erkrankter Menschen für die nächsten fünf Tage vorgenommen. Initiator ist der gebürtige Gütersloher Dr. Jörg Karenfort.

Dr. Jörg Karenfort (links) und Jens Greve haben vor 15 Monaten die Yuvedo-Foundation gegründet. Sie setzt sich für an Parkinson Erkrankte Menschen ein.

Los geht es am Samstag, 12. September 2020. Getauft ist die Tour auf den sperrigen Namen „Very Little Great River Rhine Ride“. Das hat Gründe. 

Name und Strecke an Risikolange angepasst

„Schuld ist mal wieder Corona. Wir mussten die Strecke und auch den Namen der Risikolage anpassen – mehrfach!“, erklärt Dr. Karenfort, dessen Eltern und Schwester das Brauhaus in Gütersloh betreiben. Der ursprünglich geplante „Great Ride“ unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sollte mit bis zu 300 Beteiligten von Düsseldorf über Maastricht, Brüssel und Eindhoven bis nach Amsterdam führen. Er soll 2021 nachgeholt werden. 

Die direkte Alternative, der „Little Great Ride“, kann ebenfalls nicht verwirklicht werden. Jetzt wird es der „Very Little Great River Rhine Ride“ (350 Kilometer), mit insgesamt 20 Personen – 10 Parkinson-Erkrankten und 10 Begleitern. 

Forschung nimmt wegen Covid-19 Geschwindigkeit auf

So humorvoll der Name, so ernst der Hintergrund der Radtour. „Covid-19 hat gezeigt, mit welcher Geschwindigkeit Forschung voranschreiten kann.“ Vor der Pandemie habe man das schlichtweg für unmöglich gehalten. Dr. Karenfort, der selbst seit einigen Jahren mit der Diagnose Parkinson leben muss, meint: „Das lässt sich auch auf andere Krankheiten übertragen.“ Dazu brauche es Entschlossenheit, staatliche Anreize, öffentlich-private Zusammenarbeit, flexible Zulassungsbehörden und eine breite Mitwirkung von Patienten. 

Anreize für Forscher und Industrie setzen

Öffentliche Forschung, aber auch die pharmazeutische Industrie müssten Anreize erhalten, um an der richtigen Stelle zu investieren. Konkret geht es dem 51-Jährigen darum, die Aufmerksamkeit auf andere pandemische Krankheiten auszuweiten. Denn Parkinson könne ebenfalls als Pandemie bezeichnet werden, da seien sich renommierte Forscher einig. „Es müssen kausale Therapien für neurodegenerative Erkrankungen wie eben Parkinson, aber auch Demenz und Multiple Sklerose entwickelt werden, um das Leiden von Betroffenen und ihren Angehörigen zu mindern“, führt der Wahl-Berliner aus.

Fokus auf die Heilung richten

Der Fokus müsse von der Behandlung der Symptome auf eine Heilung der Krankheit gerückt werden. „Davon würde ich auch persönlich profitieren.“ Sein Wunsch: „Die besten Köpfe sollten bei wichtigen Gesundheitsprojekten zwar im Wettbewerb, aber soweit möglich koordiniert an der gleichen Sache arbeiten. Dann gibt es schneller Lösungen, als man vorher gedacht hat.“

Prominente Unterstützer

Seit einigen Jahren lebt Dr. Jörg Karenfort mit Parkinson. Er könne voll als Wirtschaftsanwalt arbeiten, die Krankheit verlaufe bislang mild. „Ich bin mir dieses Glücks bewusst“, sagt er. „Wenngleich das eine zutiefst relative Betrachtung ist.“ Zusammen mit Jens Gunter Greve hat Dr. Karenfort vor 15 Monaten die Yuvedo-Foundation gegründet, die den „Very Little Great River Rhine Ride“ organisiert. „Uns vereint die Überzeugung, dass Parkinson heilbar ist. Davon wollen wir selbst profitieren“, sagt er. 

Die Stiftung habe es in kurzer Zeit geschafft, „ein exzellentes, der Sache verpflichtetes Team von Ärzten, Forschern, Kreativen, Unternehmern und anderen Personen zu gewinnen. Außerdem konnten wir eine breitgefächerte Unterstützung aus allen relevanten Bereichen der Gesellschaft organisieren.“ Zu den prominenten Unterstützern gehören unter anderem Elmar Brok, ehemaliger Präsident der Union der Europäischen Föderalisten, der Comedian Markus Maria Profitlich, der Modedesigner Wolfgang Joop und die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Katarina Barley. Dr. Karenfort freut sich auf die Tour. 

Spenden sind willkommen

Bedauern, dass die Aktion kleiner ausfällt als ursprünglich geplant, schwingt nicht mit. „Es fahren spannende Personen mit, wir erwarten bestes Herbstwetter und die Strecke ist schön.“ Und ergänzt mit einem Lachen: „Außerdem gibt es am Rhein Wein. Das wird gut – und diejenigen, die nicht mitfahren können, dürfen großzügig spenden.“ 

Mehr dazu im Internet unter www.yuvedofoundation.de.

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