Monika Clever sichert sich Dichtungsring



Ennigerloh (jahö) - Fremd ist Monika Clever der Dichtungsring nicht gewesen. Bereits im vergangenen Jahr hatte die freischaffende Künstlerin aus Wachtberg am Ennigerloher Lyrikwettbewerb teilgenommen. Die 17. Auflage am Freitagabend in der Alten Brennerei entschied sie nun für sich.

Jede Menge Kurzweil mit humorigen Versen und flotten Reimen – das bot die 17. Auflage des Dichtungsrings am Freitagabend in der Alten Brennerei in Ennigerloh. Das Bild zeigt (v. l.) die Teilnehmer Gerd Meyer-Anaya, Herbert Reichelt, Erich Carl, Monika Clever, Dirk Köster und Elisabeth Kuhs mit Nadia Arning-Musset sowie Edith Barth von der Alten Brennerei.

„Die Poesie ist der Schmetterling auf der Blume der Welt.“ Mit den Worten Wolfgang Menzels hatte Edith Barth, Vorsitzende des Kulturvereins Alte Brennerei, den Abend eröffnet. Flatternd leicht solle die Lyrik dem Publikum begegnen, so ihre Hoffnung. Und das tat sie dann auch.

Launige Verse und ausdrucksstarke Gestik

Als Dritte trat Monika Clever vor das Mikrofon. Zehn Minuten lang gehörte die Bühne ihr. Zeit, die sie nutzte: Launige Verse, vorgetragen mit ausdrucksstarker Gestik und Mimik – mit diesem Gesamtpaket überzeugte die studierte Mathematikerin die Zuhörer von sich.

Sie reimte über den Zahn der Zeit, den Traum vom Meer und von Isolde, die in „Nichts hält ewig“ einen Lebensgefährten nach dem anderen um die Ecke bringt. Fazit nach Nummer sechs: „Nun liegt er tot im Gästezimmer / So ist das Leben, Schwund ist immer.“

Zweiter Platz doppelt besetzt

„Ich glaube, dass wir noch nie so ein enges Feld hatten“, sollte Barth später sagen – und recht behalten. Der zweite Rang war doppelt besetzt, Platz drei entfiel damit.

Freuen konnte sich unter anderem Herbert Reichelt. Der in Herne geborene und im Rheinland lebende Hobbylyriker nahm sich in seinen Versen einer heimischen Tradition an: des Maibaums, einer Birke, die an das Haus der Angebeteten gestellt wird.

Meistens verfehle diese Geste ihre Wirkung nicht. „Manchmal aber schon“, sagte er und stellte fest: „Soll der Maibaum wirken, wähle niemals sprachbegabte Birken.“

Auch eine Variation von Otto Jandls „Ottos Mops“ hatte er in Form von „Ümüts Mück“ im Gepäck („Mück trübt Ümüts Glück“). Die Zuhörer waren begeistert.

Altbekannte Gesichter

„Sie ist uns altbekannt.“ So kündigte Moderatorin Nadia Arning-Musset von der Alten Brennerei Elisabeth Kuhs an. 2016 hatte sich die promovierte Romanistin den Dichtungsring gesichert, ein Jahr später belegte sie Platz zwei.

Das schaffte sie auch diesmal wieder. „Sobald der Dichter aufgewacht, wird erstmal ein Gedicht gemacht“ – mit „Dichters Tagwerk“ stieg sie in ihren lyrischen Vortrag ein. Anschließend widmete sie sich nicht nur derber Stammtischlyrik, sondern auch der bildenden Kunst („Wie präzise, wie exakt / Oh, ach so, er malt abstrakt“).

Mit Dichtungsring die Menschen von Kraft der Lyrik überzeugen

„Mit dem Dichtungsring versuchen wir seit Jahren, Menschen von der Kraft und dem Witz von Lyrik zu überzeugen“, stellte Edith Barth eingangs heraus. Jene Art der Literatur sei wie keine andere in der Lage, menschliche Empfindungen direkt anzusprechen.

Das wurde anschließend deutlich. Immer wieder lachte und klatschte das Publikum – ganz so, wie es die zumeist humoristischen Verse zum Ziel hatten. „Wir haben der Lyrik heute eine Lanze gebrochen“, sagte Barth vor der Auszählung, bei der ihr Moderations-Kollegin Nadia Arning-Musset sowie Roland Hahn, Leiter der „Glocke“-Lokalredaktion Oelde-Ennigerloh, zur Seiten standen.

„Ist das Obst mit Gift bespritzt?“

Zum Erfolg des Abends hatten nicht zuletzt die drei weiteren Teilnehmer beigetragen. Einer von ihnen war, ebenfalls nicht zum ersten Mal, Erich Carl. Er widmete sich – ganz seiner einstigen Profession als Geschichtslehrer entsprechend – Napoleon, ließ es sich dann nicht nehmen, zu singen, um mit einem nicht ganz alltäglichen Marktgespräch zu enden („Ist das Obst mit Gift bespritzt?“ „Gott bewahre, nein, Frau Kuhn. Das müssen Sie schon selber tun.“).

Inspiration aus dem Beruf schöpfen

Erstmals in die Alte Brennerei gekommen war Psycho- und Paartherapeut Gerd Meyer-Anaya. „Ich bin mir sicher, dass der Beruf Inspiration mit sich bringt“, betonte Arning-Musset. Ihre Ahnung trog sie nicht.

Gleich zu Beginn widmete sich der Dichter der Ehe und den damit verbundenen Problemen („Die Vermeidung jeder Scheidung ist der Verzicht auf die Heirat“). Auch eine Heimathymne auf Ennigerloh steuerte er bei.

Dirk Köster, Künstlername Didi Costaire, war schließlich der letzte Teilnehmer auf der Bühne. Seine Lyrik überschrieb er mit „Neigungen“. „Weil meine Neigungen darin zum Tragen kommen“, stellte er heraus. Dazu gehört bei ihm der Fußball. So reimte er sich den Hergang des Wembley-Tors zusammen.

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