Mord(s)geschichte an der Dalke



Gütersloh (dop) - Es gibt keine Zufälle. Krimi-Leser wissen das. Clevere Ermittler auch. Und so forscht der junge Kripo-Kommissar Dirk-Helge Reuter-Ritterling auf eigene Faust nach, als es in kurzen Abständen Mitglieder der örtlichen Trinkerszene dahinrafft. Fünf Tote in Gütersloh, alle unglücklich gefallen?

Das kann kein Zufall sein, das riecht nach Mord, sogar nach Serienmord. So beginnt Jan Bobes erster Gütersloh-Krimi „Nur ein Schubs“, der am 18. Oktober erscheinen wird. Abgründig, schräg, aber auch mit Anekdoten versehen. Der Autor kennt sich aus. Er ist Polizeihauptkommissar, leitet seit 2015 die Dienststelle in Halle und ist seit 40 Jahren „auf der Straße unterwegs“.

Polizist zu sein liegt Jan Bobe im Blut

Da kann der 59-jährige Gütersloher aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen. Polizist zu sein liegt ihm im Blut: Schon sein Vater und zwei Onkel haben die Uniform angezogen. Auch Sohn Benni ist mittlerweile dabei.

Zehn Jahre hat Jan Bobe an seinem Krimi-Debüt gearbeitet. „Immer mal wieder, wenn ich im Urlaub Zeit hatte“, erklärt der Vielleser und reiselustige Tüftler den langen Zeitraum. Er ist gern und oft mit seinem selbstgebauten Wohnmobil unterwegs – wenn er nicht gerade in seiner Freizeit mit seiner Band „High Germany“ Musik macht oder alte Instrumente restauriert.

Als Romancier lässt der Gütersloher seine Opfer nun einsam sterben: Ein Zecher stürzt an der Weberei aus unerfindlichen Gründen in die Dalke und ertrinkt. Der nächste kommt des Nachts auf der Bahntrasse zu Tode. Einer fällt im Gütersloher „Bermudadreieck“ Diek-, Fichten- und Hermann-Simon-Straße von einer Parkbank und verblutet, weil er sich – ausgerechnet – an einer zerbrochenen Flasche am Boden aufschlitzt. Eine Trinkerin prallt im Dunkeln hinter der Martin-Luther-Kirche gegen einen Laternenpfahl und stirbt.

„Nur die Bösen habe ich frei erfunden“

Der Fünfte gerät direkt vor dem Amtsgericht unter die Räder eines Lastwagens. Und während sich Konny Gerke, König der Platte, zunehmend Sorgen um seine Saufkumpanen macht, gibt es bei den Bürgern – auch bei Polizei und Rettungsdienst – durchaus auch Erleichterung zu spüren. Authentisch liefert Bobe Einblicke sowohl in die gesellschaftliche als auch in die polizeiliche Subkultur. „Figuren und Geschehen speisen sich zwar aus wirklichen Begebenheiten“, sagt der Polizeihauptkommissar, „sind aber – dem Spannungsbogen geschuldet – mit fiktiven Elementen verflochten.“ Wichtig war und ist ihm, alle dargestellten Charaktere mit realem Wiedererkennungswert positiv darzustellen. „Nur die wirklich Bösen habe ich frei erfunden“, sagt der Autor lachend im Gespräch mit der „Glocke“.

Und wie viel Jan Bobe steckt in seinen Ermittlerfiguren? „In jedem vielleicht ein bisschen“, hält sich der Gütersloher bedeckt. So ist sein Held Reuter-Ritterling überaus ambitioniert und wittert fast hyperaktiv überall Verbrechen. Seinem Teamkollegen Hermann Stratkötter als angehendem Pensionär ist dagegen nichts lieber als ein früher Feierabend. Und dann ist da noch der Streifenpolizist Günter „Henry“ Lütkehennerich, der in einem Wohnwagen lebt und vor allem nachts in „seiner“ Stadt unterwegs ist.

TV-Krimis „meilenweit von der Realität entfernt“

Dass sie gemeinsam Licht ins dunkle Geschehen bringen, hat etwas mit Bobes Respekt vor den Kollegen von der Streife zu tun. Nichts ärgert ihn mehr, als wenn im Fernsehen die normalen Polizisten nur als Tatort-Absperrer oder Gefangenen-Eskortierer abgestempelt werden. „Während die Kripo-Kommissare ständig draußen mit gezogener Waffe auf Mörderjagd unterwegs sind und noch vor dem SEK in die mit Gangstern besetzten Hallen stürmen. Das ist doch alles Quatsch und meilenweit von der Realität entfernt.“ 90 Prozent der Ermittlungsarbeit finde im Büro statt, weiß Jan Bobe, dem eine ehrliche, differenzierte Darstellung des Polizeialltags am Herzen liegt.

Zwei Jahre hat der Gütersloher während der Ausbildung in Köln verbracht, zweieinhalb Jahre war er in der Polizeischule in Stukenbrock und „seit 1982 bin ich ununterbrochen im Kreis Gütersloh tätig“. Er hat viel erlebt. Unfälle, Mord und Totschlag. „Das Schlimmste sind nicht die Toten“, sagt Jan Bobe nachdenklich. „Das Schlimmste ist der Moment der Nachrichten-Überbringung an die Hinterbliebenen. Wenn du vor einer Haustür stehst, auf die Klingel starrst und genau weißt: Wenn ich die jetzt drücke und sich die Tür öffnet, dann zerstöre ich das Glück dahinter.“

Programm

In mehreren Lesungen wird Jan Bobe seinen Debütroman „Nur ein Schubs“ vorstellen, zuerst in Gütersloh: Freitag, 26. Oktober: Die Premierenlesung findet ab 19.30 Uhr im Gütersloher Parkbad statt. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird gebeten. Donnerstag, 15. November: 19.15 Uhr in der Mayerschen Buchhandlung in Gütersloh, Berliner Platz (der Eintritt kostet fünf Euro). Donnerstag, 7. Februar 2019: 19.30 Uhr, Stadtbücherei Oelde. Donnerstag, 28. März 2019: 20 Uhr Lesung im Rahmen der Musik- und Kleinkunstreihe „Mukke“ in der Gütersloher Weberei, Bogenstraße.

Und wer Jan Bobe als Musiker erleben möchte, der sollte sich den 9. November vormerken: Dann spielt er mit seiner Band „High Germany“ bei Getränke Ahnepohl in Gütersloh.

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