Mutige Parkour-Sportler mit kühlem Kopf



Gütersloh (jed) - Alt-Bürgermeisterin Maria Unger als ihr größter Fan nennt die Sportler liebevoll „meine Helden“. Sie ließ es sich auch beim neunten Gütersloher Parkour-Camp nicht nehmen, die jungen Frauen und Männer bei ihren Sprüngen, Balance-Acts und Kletter-Kunststücken zu beobachten.

Fassadenkletterer Die Zuschauer staunten über die sportlichen Leistungen der jungen Sportler. Das Parkour-Camp an der Janusz-Korczak-Gesamtschule ließ Anfängern und Könnern Raum zum Training

Regen und Nässe mögen die jungen Wilden der Trendsportart Parkour allerdings überhaupt nicht. Wenn die Traceure – so werden die Parkour-Sportler genannt – große Distanzen zwischen zwei Hindernissen mit einem Sprung überwinden oder an einer geraden Wand hinaufklettern, ist sicherer Halt die wichtigste Voraussetzung.

Bestnoten für das Organisations-Team

Weil dem trockenen Eröffnungsfreitag jeweils nur Regen in der Nacht sowie zwei traumhafte Tage mit idealen Bedingungen folgten, waren die Bedingungen auf dem Gelände an der Janusz-Korczak-Gesamtschule ausgezeichnet. Als es am Sonntag gegen 14 Uhr hieß „Leider schon wieder vorbei“, bewerteten die meisten der aus ganz Deutschland, aus der Türkei, aus Bulgarien und sogar aus Australien angereisten Sportler das Gütersloher Parkour-Camp mit Bestnoten.

Kultstatus über die Grenzen Deutschlands hinaus

Keine Frage: Was Organisator Claus-Peter „Pit“ Mosner vom Fachbereich Jugend und Bildung der Stadt Gütersloh mit seinem gut 50-köpfigen Helferteam in den vergangenen Jahren aus bescheidenen Anfängen aufgebaut hat, hat bereits über die Grenzen Deutschlands hinaus Kultstatus. Nicht von ungefähr stapeln sich in Mosners Büro die Anfragen aus anderen Städten, die daran interessiert sind, selbst so eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen.

Gemeinschaftsgefühl in der Zeltstadt

Das Gelände der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Kattenstroth bietet sich als ideale Parkour-Arena an. Mosner und seine Mitstreiter verwandeln es für das Camp in einen großen Kletterpark samt Abenteuerspielplatz für Parkour-Läufer. Die in Sichtweite aufgeschlagene Zeltstadt, die gemeinsamen Mahlzeiten, der Pool auf dem Areal, Partys sowie etliche begleitende Aktionen wie Wasser- oder Obstflatrate gehören zu den bewährten Teilstücken, die die Gesamtveranstaltung ausmachen.

Grenzen verschieben

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten geht es beim Parkour nicht um Wettbewerb oder Konkurrenz. Es geht nicht darum, andere mit seinem Können zu beeindrucken, sondern die Grenzen des eigenen Körpers zu erkennen – und diese Grenzen durch ausdauerndes Training nach Möglichkeit zu verschieben. Mut, Geschicklichkeit und Konzentration helfen beim Überwinden der Hindernisse.

Beeindruckende Leistungen

„Es geht darum, die Einbahnstraße im Kopf zu überwinden“, erklärt Pit Mosner. „Das funktioniert, in dem man im Training immer andere Wege zu sucht, um Hindernisse zu bezwingen.“ Am Wochenende hatten die Zuschauer beim Parkour-Camp Gelegenheit, zu beobachten, was möglich ist, wenn Parkour-Sportler ihren Weg gefunden haben.

Parkour-Park soll angelegt werden

Und während über Sprünge, Salti, Drehungen und Hindernisse gefachsimpelt wurde, ging es auch immer wieder um die Frage, wo das zehnte Parkour-Camp im kommenden Jahr stattfinden wird. Wie Pit Mosner unter großem Beifall verkündete, soll dank einer 330 000-Euro-Spende des Unternehmers Werner Gehring noch in diesem Jahr mit dem Bau eines Parkour-Parks am Leichtathletik-Zentrum-Nord begonnen werden. Entsprechende Ausschreibungen sollen bereits angelaufen sein. Die stellvertretenden Bürgermeisterin Monika Paskarbies erklärte, möglicherweise könne schon im Herbst mit dem Bauvorhaben begonnen werden. Mosner warb um gelassene Planung. „Wir warten ab, wie es vorangeht. Schließlich geht es nicht nur um den Park, sondern auch um Infrastruktur und Logistik. Wir müssen beim Parkour-Camp 250 Menschen drei Tage und zwei Nächte unterbringen, verpflegen, sanitär versorgen. Das will gut überlegt sein.“

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