Neonazis planen Aufmarsch in Münster



Münster (osi) - In der Region machen Neonazis immer häufiger mobil. Nach Kundgebungen in Hamm im vergangenen Oktober und Bielefeld an Heiligabend 2011 wollen Rechtsradikale am 3. März  in Münster aufmarschieren. Kirchliche und politische Initiativen bereiten sich auf Gegendemonstrationen vor.

Eindrucksvoller Protest: Rund 6500 Menschen demonstrierten an Heiligabend 2011 in Bielefeld gegen den Aufmarsch von 70 Neonazis.

Wie Münsters Polizeisprecher Jan Schabacker der „Glocke“ am Dienstag mitteilte, hat ein einschlägig bekanntes Mitgied aus der rechten Szene die Kundgebung in der Domstadt angemeldet. Die Genehmigung steht zwar noch aus, doch nach aller Erfahrung wird sich der Aufmarsch der Rechten juristisch kaum verhindern lassen. Als Versammlungsbehörde werde die Polizei in nächster Zeit Auflagen und Wegstrecke festlegen.

Schabacker bestätigte, dass der Polizei zwei Anmeldungen für Gegenkundgebungen vorliegen. Eindeutig Flagge gegen Rechts zeigen wollen demnach die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten“ und das „Aktionsbündnis gegen den Krieg“.

„Nationale Sozialisten Münster“ beteiligt

Die geplante rechte Demonstration wird maßgeblich mitgetragen und vorbereitet von der Gruppe „Nationale Sozialisten Münster“. „Die Gruppe umfasst etwa zehn Personen und besteht seit zwei bis drei Jahren“, erläutert Michael Sturm von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Münster. Mitglieder seien junge Männer, die zum Teil in Münster wohnten und zum Teil aus Städten des münsterländischen Umlands wie Warendorf oder Ibbenbüren stammten. Aufkleber und Werbeplakate für die rechte Kundgebung am 3. März habe man in Telgte, Warendorf und Westbevern gesichtet.

Unterstützt werden die Münsteraner Neonazis von Rechtsradikalen aus dem Umland - darunter die „Autonomen Nationalisten Ahlen“ und die „Kameradschaft Hamm“. „Das ist keine Massenbewegung“, sagt Michael Sturm. „Es handelt sich vielmehr um kleine Gruppen, die untereinander gut vernetzt sind“. Sturm geht davon aus, dass am. 3. März zwischen 200 und 300 Neonazis an der Kundgebung in Münster teilnehmen werden.

Völkische und rassistische Positionen

Der Mitarbeiter der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus beschreibt die rechten Gruppierungen als militante Neonazis, die wenig mit dem Parteienspektrum zu tun haben und sich bewusst auch von der NPD abgrenzen. Sturm: „Die vertreten knallharte nationalistische, völkische und rassistische Positionen und verquicken das mit einer wirkungsmächtigen Kritik an der Globalisierung, am Euro und am Islam.“

Im Internet offen zur Schau gestellte Slogans wie „Demokratie bringt uns den Volkstod“ zeugen von einer klaren demokratiefeindlichen Einstellung der „Nationalen Sozialisten Münster“. Nach deren Verständnis zersetzt die Demokratie die angebliche „Volksgemeinschaft“. Um ihre politischen Ziele durchzusetzen, schrecken die Neonazis nach eigenem Bekunden vor Gewalt nicht zurück.

Dennoch hofft die Polizei, dass am 3. März alles friedlich verläuft. Und Michael Sturm wünscht sich, dass die Gegendemonstranten ein ähnlich eindrucksvolles Signal setzen wie an Heiligabend 2011 in Bielefeld. Vor nicht einmal drei Wochen hatten dort mehr als 6500 Bürger eindeutig gegen 70 demonstrierende Rechtsradikale Stellung bezogen.

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