Oelder erhält Chance, sich zu bewähren



Oelde/Münster (gl) - Glimpflich ist am Mittwoch ein Prozess am Landgericht Münster für einen 35-jährigen Oelder zu Ende gegangen. Er muss weder ins Gefängnis noch in eine geschlossene psychiatrische Anstalt. Ein Jahr auf Bewährung lautete das Urteil der 9.Großen Strafkammer in Münster.

Fünf Jahre lang muss sich ein Oelder (35) bewähren, der sich wegen Drohungen und exhibitionistischen Handlungen vor dem Landgericht in Münster verantworten musste.

Zwar sah es die Strafkammer als erwiesen an, dass der mehrfach vorbestrafte Mann Polizisten, Mitbewohner und Nachbarn massiv mit dem Tod bedroht und beleidigt sowie wiederholt gegen Bewährungsauflagen verstoßen hatte. Doch war er wegen seiner psychischen Krankheiten während all der Taten nur vermindert schuldfähig. Die seelischen Störungen des Angeklagten und seine drogenbedingten Psychosen seien aber nicht so gravierend, dass sie eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie rechtfertigten.

Vor allem nimmt er seit mehr als einem Jahr Medikamente und ist seitdem ruhiger geworden. Derzeit drohen von ihm vermutlich keine schweren Gewalttaten. Dies hatte ein ärztlicher Gutachter am Freitag vorgetragen. Auf seine Expertise stützte sich das Gericht.

Hoffnungsvolle Zukunftsprognosen des Angeklagten

In ihrem Urteil folgte die Kammer weitgehend dem Antrag des Staatsanwalts, der die milde Gesamtstrafe wegen der eingeschränkten Schuldfähigkeit und der hoffnungsvollen Zukunftsprognosen des Angeklagten für angemessen hielt. Der Verteidiger des Oelders beurteilte das ebenso.

Die Verfolgung des Vorwurfs exhibitionistischer Handlungen gegenüber einer Mitbewohnerin im Mai 2015 im Oelder Obdachlosenheim wurde vorläufig eingestellt. Die Anschuldigungen der verstorbenen Frau hatte der 35-Jährige als Lügen bezeichnet.

Angeklagter soll Frau mehrfach angerufen und bedroht haben

Eingestellt wurde auch die Anklage der Körperverletzung. Der betroffene Mitbewohner hatte den Vorfall als nicht so schlimm dargestellt. Deutlich wurde gestern aber, dass der Angeklagte früher durchaus gefährlich und gewalttätig war.

Vor den Plädoyers sagte noch eines seiner Opfer aus. Die Frau hatte der Oelder am 10. März 2016 spätabends mehrfach angerufen und bedroht. Er werde mit der Axt kommen, ihre ganze Familie umbringen und das Haus anzünden. Die dreifache Mutter nahm das sehr ernst. Sechs Jahre zuvor war der Angeklagte bei ihr zu Hause in Sünninghausen aufgetaucht, hatte ihr gedroht und einen Fausthieb ins Gesicht verpasst. Auch war er mit der Axt auf einen Landwirt losgegangen.

Richter verhängt strenge Bewährungsauflagen für den Angeklagten 

Damit so etwas in Zukunft nicht mehr passiert, gab das Gericht dem Mann für die höchstmögliche Dauer von fünf Jahren strenge Bewährungsauflagen mit auf den Weg. Er muss weiterhin seine Medikamente nehmen und dies auch untersuchen lassen. Er darf weder Alkohol noch Rauschgift konsumieren und muss sich regelmäßig Drogentests unterziehen.

Matthias Münch

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