Partnerschaft in Vertrag festgehalten



Verl (afri) - Seit Dienstag ist es offiziell: Die städtische Bibliothek und die Gesamtschule in Verl haben einen Kooperationsvertrag für eine Bildungspartnerschaft unterzeichnet. Neu ist die Zusammenarbeit der beiden Institutionen nicht. Durch die offiziellen Rahmenbedingungen erhoffen sich beide Seiten aber neue Impulse.

Den Kooperationsvertrag haben am Dienstag (vorn, v. l.) Bibliotheksleiterin Heike Schniedermeier und Gesamtschulleiterin Tanja Heinemann unterzeichnet. Dabei waren außerdem (hinten v. l.) Martina Lüke (didaktische Leiterin der Gesamtschule und Ansprechpartnerin für die Kooperation), Heribert Schönauer (erster Beigeordneter und Kämmerer der Stadt Verl) sowie Bianca Klimmek (Ansprechpartnerin der Bibliothek für die Kooperation).

Mit der Gründung der Gesamtschule Verl vor fünf Jahren hat die Zusammenarbeit zwischen Bibliothek und Schule begonnen. Seitdem arbeiten die Institutionen in gemeinsamer Sache. Sie wollen Kindern und Jugendlichen einen Zugang zum Lesen und zum Buch verschaffen.

Lesetempo und Verständnis fördern

In Zeiten der Digitalisierung ist das keine leichte Aufgabe. Tanja Heinemann, Schulleiterin der Gesamtschule, gewinnt immer mehr den Eindruck, dass ihre Schüler zunehmend weniger lesen als noch vor einigen Jahren. Dabei sei diese Fertigkeit eine wichtige Kulturtechnik, betont sie. Um im Erwachsenenalter bezüglich der Lesegeschwindigkeit und beim Verständnis von Texten nicht hinterherzuhinken, bedürfe es viel Übung im Kindes- und Jugendalter. So sieht sich die Schule in der Pflicht, Kindern den Spaß am Lesen zu vermitteln und das Lesen zum Erlebnis werden lassen. Wer wäre da ein besserer Partner als die Bibliothek?

Laufende und geplante Projekte

Einige Projekte wurden schon auf den Weg gebracht. So bekommen Schüler der Jahrgangsstufe fünf eine Einführung in die Bücherei. Anhand einer Detektivrallye erforschen sie die Räumlichkeiten – mittlerweile sogar mit Hilfe eines Tablets und einer von Bianca Klimmek, Mitarbeiterin der Bibliothek, dafür entwickelten App. Zudem erhalten die Kinder, falls nicht schon vorhanden, einen Bibliotheksausweis, mit dem sie kostenlos Bücher ausleihen können.

Für die Sekundarstufe I organisiert die Bibliothek Sommerleseclubs. „Alle Schüler, die in den Sommerferien mindestens drei Bücher lesen, erhalten ein Zertifikat sowie einen Vermerk auf dem Zeugnis über das außerschulische Engagement“, erklärt Bibliotheksleiterin Heike Schniedermeier. Unterstützung bekommen leseschwache Sechstklässler von ausgebildeten Coaches der Jahrgangsstufe neun beim Tandemlesen.

Neue Ansätze gibt es auch: Das Erstellen von Buchkritiken ist schon Bestandteil des Deutschunterrichts. Die Empfehlungen könnten künftig in der Bibliothek ausgestellt werden. Ebenfalls in Planung ist ein Methodentraining zur Recherche für Facharbeiten in der Oberstufe.

Sprache ist Schlüssel zum Erfolg

Die Stadt Verl begrüßt die Zusammenarbeit von Gesamtschule und Bibliothek. Das stellte Heribert Schönauer, erster Beigeordneter und Kämmerer, deutlich heraus: „Die Bibliothek ist ein wesentlicher Bestandteil der Bildungslandschaft in Verl“, sagte er. „Je eher eine Heranführung der Schüler erfolgt, umso besser.“ Da Sprache der Schlüssel zum Erfolg sei, sei das Lesen eine essenzielle Fähigkeit, die die Jungen und Mädchen beherrschen müssten, um Informationen zu bekommen, zu verstehen und zu verarbeiten.

Mietvertrag verlängert

Trotz des digitalen Wandels ist die Bibliothek in Verl kein Auslaufmodell. Ganz im Gegenteil. Als Bekenntnis für die Institution ist der Mietvertrag für den Standort an der Hauptstraße kürzlich für weitere zehn Jahre verlängert worden. Zudem ist ein Umbau geplant. Wie das Konzept aussehen soll, stehe jedoch noch nicht abschließend fest. Klar ist, dass mehr Aufenthaltsplätze geschaffen werden sollen. Schönauer: „Daran fehlt es bisher.“

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