Patriarch wie ein Popstar empfangen



Gütersloh (rebo) -  Wenn auf ein Kirchenoberhaupt die Superlative freundlichstes und entspanntestes zutreffen, dann ist es seine Heiligkeit Moran Mor Ignatius Ephräm II. Sein Empfang in der Kirche St. Stephanus an der Hohenzollernstraße hat am Samstag eher an den Auftritt eines Popstars erinnert. Vor allem die Frauen am Straßenrand begrüßten das Oberhaupt der Syrisch-orthodoxen Kirche mit einem gellenden Freudengeheul.

Keine Berührungsängste: Seine Heiligkeit Moran Mor Ignatius Ephräm II. (Mitte) begrüßte mit viel Geduld und einem Lächeln die begeisterten Gemeindemitglieder von St. Stephanus. 

 „Es ist eine große Ehre für uns, dass der Patriarch zum 30-jährigen Bestehen der St.-Stephanus-Gemeinde zu uns kommt und unsere neuen Ikonen segnet“, sagte Shakircan Gezer vom Kirchenvorstand, bevor Moran Mor in einer schwarzen Limousine von der Bismarckstraße auf die Hohenzollernstraße einbog. Mit einem strahlenden Lächeln stieg der 52-Jährige aus dem Wagen und richtete einen zufriedenen Blick gen Himmel. Wenige Minuten vor seiner Ankunft in Gütersloh hatte es aufgehört zu regnen, so dass der Patriarch ohne Hast über die Hohenzollernstraße bis zum Eingang der Stephanus-Kirche am Nordring laufen konnte.

Gläubige lassen sich am Straßenrand segnen

Immer wieder ging das Kirchenoberhaupt, das für die Syrisch-orthodoxen Christen eine ähnliche Bedeutung hat wie der Papst für die Katholiken, zu den Gläubigen, die ihm vom Straßenrand aus zujubelten. Er richtete ein paar Worte an die Frauen und Männer, die zum Dank das Kreuz des Patriarchen küssten und völlig aus dem Häuschen waren, wenn der Geistliche sie oder ihre Kinder ansprach. Moran Mor Ignatius Ephräm II. lächelte gelassen in die Smartphone-Kameras, die ihm entgegengestreckt wurden und sprach zwischendurch immer wieder mit den Geistlichen aus anderen Syrisch-orthodoxen Gemeinden, die zum Empfang des Patriarchen aus ganz Nordrhein-Westfalen nach Gütersloh angereist waren.

Seine Heiligkeit weiht sieben Ikonen

In der Stephanus-Kirche segnete der Geistliche anschließend in einer feierlichen Messe die sieben neuen großformatigen Bilder mit biblischen Szenen. „Die Syrisch-orthodoxe Kirche ist für ihre Ikonen bekannt. In St. Stephanus hatten wir bisher ein eher schlichtes Gotteshaus. Zum 30. Geburtstag haben wir das geändert“, sagt Gezer. Die Arbeiten zeigen unter anderem die Taufe Jesu, den barmherzigen Samariter oder die Steinigung des Heiligen Stephanus, dem Schutzpatron der Gemeinde. Weil etwa rund 2000 Gäste in die Kirchengemeinde an der Hohenzollernstraße gekommen waren, um den Patriarchen zu begrüßen und das Geburtstagsfest der Gemeinde zu feiern, wurde die Messe mit dem Kirchenoberhaupt auch in den Gemeindesaal übertragen. Dort wurde von 1987 – dem Gründungsjahr der Gemeinde – auch gebetet. 1990 kaufte die Gemeinde dann das vom Nordring aus zugängliche Gebäude einer ehemaligen Glaserei, das zur Kirche umgebaut wurde.

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