Polizei: „Keine Geiselnahme“



Kreis Gütersloh (gl/lw) - Nach derzeitigem Ermittlungsstand ist es am Donnerstagmorgen in Borgholzhausen nicht zu einer Geiselnahme gekommen. Das teilen die Staatsanwaltschaft und die Polizei in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Nach Angaben der Polizei ist es am Donnerstag in Borgholzhausen nicht - wie zunächst vermutet - zu einer Geiselnahme gekommen.

Wie berichtet, hatte ein Ehepaar, das nach Aserbaidschan abgeschoben werden sollte, erheblichen Widerstand geleistet. Zwei Polizisten, ein Arzt, sowie ein Mitarbeiter des Kreises und eines Sicherheitsdiensts waren um 3.30 Uhr in die Flüchtlingsunterkunft an der Sundernstraße in Borgholzhausen angerückt, um das Ehepaar abzuholen.

Im weiteren Verlauf hatte das Paar einem Polizisten die Waffe abgenommen und sich anschließend verschanzt. Während die Polizisten und der Arzt fliehen konnten, waren die Mitarbeiter des Ausländeramts und des Sicherheitsdienstes bei dem Paar.

Zur Klärung der Gesamtumstände während der Abschiebung wurde noch am gleichen Tag die Ermittlungskommission „Sundern“ unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Ralf Gelhot eingesetzt. „Nach intensiver Spurensicherung wurden im weiteren Tagesverlauf Beteiligte vernommen“, teilen Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Nach derzeitigem Ermittlungsstand habe aber keine Geiselnahme – wie zunächst angenommen – vorgelegen.

Die 49-jährige Ehefrau zog einem Polizeibeamten die Dienstwaffe aus dem Holster, als dieser ihren 53-jährigen Ehemann zur Durchsetzung der Maßnahme fesselte, wie es in der Mitteilung weiter heißt. Die Frau habe anschließend angekündigt, dass sie sich selbst verletzen würde, wenn die Abschiebung weiter betrieben würde und feuerte einen Schuss in die Decke des Flures ab. Anschließend verletzte sich die Frau mit einem Messer im Oberkörperbereich selbst. Nach erster Versorgung durch Rettungssanitäter vor Ort, wurde die Frau in ein Krankenhaus eingeliefert.

„Es kam zu keiner Bedrohung der in der Wohnung befindlichen weiteren Personen. Nach jetziger Bewertung lag keine Geiselnahme vor“, erklären die Behörden.

Außer den Mitarbeitern waren noch zwei erwachsene Töchter des Paars, die beide eine Aufenthaltserlaubnis haben, sowie ein Besucher der Familie in der Wohnung. Es wird wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Nötigung weiter ermittelt.

Das Ehepaar ist inzwischen wieder in die Zuständigkeit des Ausländeramts des Kreises Gütersloh übergeben worden. Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) hatte bereits am Donnerstag mitgeteilt, dass man dennoch an der Abschiebung festhalten wolle. Das Paar war bereits einmal freiwillig ausgereist und kam illegal zurück.

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