Postkartengrüße aus Westfalen



Langenberg (kaw) - Ein Selfie aus der Karibik, eine Whats–App aus Griechenland, ein Postkartengruß aus Madeira – häufig aus fernen Gefilden und auf digitalem Weg grüßen Reisende ihre Lieben. Ansichtskartensendungen aus der näheren Umgebung wie etwa Herzfeld, Ahlen oder Oelde muten da seltsam an.

Nostalgische Grüße: Heutzutage wird mal eben schnell telefoniert oder eine Nachricht per Smartphone verschickt, früher wurden noch Postkarten geschrieben. Einen reichen Schatz solcher Exemplare hütet nun der Heimatverein Benteler.

Einen seltenen Schatz solch alter Zeitdokumente findet im Archivraum im Heimathaus Benteler seinen Platz, das am Sonntag, 31. Juli, mit geladenen Gästen eingeweiht wird. Eine Nichte hat das Album ihres Onkels an den Heimatverein übergeben, berichtet dessen Vorsitzender Antonius Handing über die Sammlung mit Schreiben von 1900 bis 1910. Gemeinsam mit Detlev Schulz, der sich in den neuen Räumen an der Vornholzstraße um das Archiv kümmern wird, blättert er vorsichtig durch die Seiten. Verliebte Paare in Schwarz-Weiß, kolorierte Stadtansichten, mit nostalgischen Blumenranken versehene Grußmotive – bunt ist die Palette. „Gasthöfe hatten sogar eigene Karten“, bemerkt Handing beim Anblick eines solchen Exemplars. Gereimte Sprüche komplettieren die kreative Vielfalt der Schriftstücke für verschiedene Anlässe wie zum Beispiel Namenstag oder Neujahr. Handing schwärmt nicht nur von den „traumhaften Motiven“, sondern ist begeistert, dass die rund 300 bis 400 Karten zudem Postwertzeichen tragen.

Das Album wird zu den Glanzlichtern des Archivs gehören, das Detlev Schulz im neuen Domizil aufbauen will. Bisher gab es dafür keinen Raum und manches Druckwerk war privat bei Vorstandsmitgliedern untergebracht. In der Schrankwand des rund 24 Quadratmeter großen Zimmers stehen schon mancherlei Schriftstücke. Heimatschriften wie etwa „Die Gemeinde Benteler“ von Pater Deppenkemper, der sich mit der lokalen Erstbesiedelung befasst, finden sich dort ebenso wie zehn Bände mit den Werken des plattdeutschen Heimatdichters Augustin Wibbelt. Hinter einer anderen Tür verbirgt sich eine Kiste mit fast 30 Gebet- und Gesangbüchern samt Totenzetteln, Bibeln sowie Katechismen, ein Druckwerk stammt sogar aus dem Jahr 1906. Diese wartet ebenso auf Einsortierung wie die Chroniken des Heimatvereins und der plattdeutsche Titel „Tungenslag – Mundart und Literatur“.

 „Mich interessieren zum Beispiel auch alte Fotos von Benteler“, erklärt Detlev Schulz, dass er sich über Bilder freut. Filmmaterial ist ebenfalls willkommen. In diesem Jahr etwa zeigte der Verein einen Streifen von 1958 über hiesige Höfe, Landschaften und das Schützenfest.

Schulbank im Archivraum

Der Archivraum in der oberen Etage des Heimathauses beherbergt allerlei historische Hingucker. Gegenüber der Schrankwand füllen 15 Schreibmaschinen vergangener Epochen, Rechenmaschinen, Stechuhren und eine Registrierkasse ein Regal. Sogar ein „Mercedes“ findet sich unter all den Marken, die von Adler über Olympia und Triumph bis zu Urania reichen. Der erste Bildwerfer der Grundschule Benteler aus den 1950er-Jahren zieht die Blicke ebenso auf sich, wie eine ausgediente Schulbank samt Tafel und Häkellappen. Ein Tornister, an dem die Zeit deutlich ihre Spuren hinterlassen hat, ist mit Lehrmaterial, darunter ein Volksschullesebuch, bestückt. In der Mitte des Raums liegen sorgsam und gut sichtbar unter Glas in einer Vitrine verwahrt manche Millionen – in Form von Notgeldscheinen etwa aus Beckum, Rietberg und Paderborn. Abseits von Schreibgeräten und Skripten bereitet Antonius Handing eine Holzfigur besondere Freude. Sie stellt einen Pater dar, der lächelnd einen Bierkrug in der Hand hält und auf Umwegen vom Franziskanerkloster in Wiedenbrück nach Benteler gelangt ist. Vielleicht schaut er ja auch ab und zu mal wohlwollend Detlev Schulz über die Schulter, wenn dieser am Schreibtisch über dem ein oder anderen Buch hockt.

Gruppenführungen und Öffnungszeiten

Sein neues Domizil an der Vornholzstraße will der Heimatverein Benteler nicht im Rahmen eines Tags der offenen Tür präsentieren, sondern lieber kleinen Gruppen vorstellen. Anmeldungen für Führungen durch das Haus sind ab sofort möglich unter Tel. 05248/609276 (Antonius Handing) sowie unter Tel. 05248/609368 (Anita Benteler). Ab September sollen die Pforten alle 14 Tage, und zwar an jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat interessierten Besuchern von 10 bis 12 Uhr offenstehen. Die offizielle Einweihung am Sonntag, 31. Juli, mit Pastor Martin Klüsener findet ab 15 Uhr im Kreis geladener Gäste statt.

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