Potenzial nutzen mit Reaktivierung



Kreis Warendorf / Münster (ap) - Einen Ausblick auf die Planungen zur Reaktivierung der WLE-Strecke Münster-Sendenhorst für den Personenverkehr haben Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe und Landrat Dr. Olaf Gericke am Samstag im Rahmen einer Sonderfahrt gegeben.

Grünes Licht für die Planung des Personenverkehrs mit der WLE: Unter anderem (v. l.) Henning Rehbaum, Bernhard Daldrup, Detlef Ommen, Landrat Dr. Olaf Gericke und Oberbürgermeister Markus Lewe nahmen am Samstag an der Sonderfahrt teil.

An der Fahrt nahmen unter anderem Sendenhorsts Bürgermeister Berthold Streffing, der CDU-Landtagsabgeordnete Henning Rehbaum, WLE-Betriebsleiter Johann Ubben und WLE-Geschäftsführer André Pieperjohanns teil. „Hier kann ein riesiges Potenzial genutzt werden“, sagte der Sendenhorster Detlef Ommen (SPD).

Die Schienenverkehrsanbindung sei besser, als die von Münster nach Warendorf. Der Zug könnte höhere Geschwindigkeiten erreichen und ermögliche so, in nicht einmal 30 Minuten von Sendenhorst nach Münster zu fahren. Für die Stadt und die Entwicklung der Region sei die Wiederinbetriebnahme ein Gewinn nach dem Motto „Leben auf dem Land, arbeiten in der Stadt“.

Einstellung der Strecke in den 1970er-Jahren

In den 1970er-Jahren war die Personenbeförderung auf der Strecke eingestellt worden. Für den Bundestagsabgeordneten Bernhard Daldrup (SPD) ist eine Reaktivierung alternativlos: „Nur, warum dauert das so lange?“

Bei allen positiven Fakten, die Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe und Landrat Dr. Olaf Gericke später aufzählten, formierte sich auch Widerstand. Eine Bürgerinitiative aus Gremmendorf machte am Bahnhof Wolbeck mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert ihrem Ärger lautstark Luft. Die Bürgerinitiative befürchtet, dass die Lärmbelästigung für Anwohner unerträglich würde, die bisherigen Buslinien wegfallen würden und der Pendlerverkehr durch eine Reaktivierung deutlich zunehmen würde. Außerdem sei das Projekt für sie Geldverschwendung.

Lautstarker Protest aus Gremmendorf

Die Protestler forderten, stattdessen eine Fahrradautobahn einzurichten. Das sahen unter anderem der Oberbürgermeister und der Landrat sowie die beteiligten ZVM (Zweckverband Schienenpersonennahverkehr) und Westfälische Landeseisenbahn GmbH (WLE) ganz anders. „Natürlich kann ich die Anwohner verstehen. Auf der anderen Seite bedeutet die Reaktivierung der Strecke eine riesige Chance für Münster und den Kreis Warendorf. Sie können von Sendenhorst in Rekordzeit direkt in die Innenstadt von Münster fahren“, sagte Dr. Olaf Gericke.

Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, höhere Standortqualität, zukunftsfähige stadtregionale Entwicklung und ein nachhaltiges Verkehrsangebot nannte Gericke als weitere Vorteile. Sendenhorst werde zu einem wichtigen Verknüpfungspunkt mit Anbindungen nach Beckum, Ennigerloh und Ahlen. „Davon werden wir nachhaltig profitieren.“

Einstieg für eine Münsterland-S-Bahn

Für Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe ist das Projekt ein politisches wie symbolisches Ereignis. „Die Reaktivierung der WLE-Strecke ist der Einstieg für eine Münsterland-S-Bahn“, sagte der Oberbürgermeister. Bei der Abwägung allgemeiner Interessen gäbe es auch für die Bürgerschaft die Möglichkeit, sich einzubringen. An der Sonderfahrt nahm die Bürgerinitiative gegen die Reaktivierung der WLE-Strecke allerdings nicht teil.

Um unter anderem auch den Anwohnern der Strecke einen Eindruck zu vermitteln, wie ein künftiger Fahrbetrieb aussehen könnte, wurde für die Sonderfahrt ein moderner Dieseltriebwagen des Typs „Lint“ der DB Regio NRW eingesetzt, der sich durch eine hohe Laufruhe und schadstoffarme Motoren auszeichnet.

Fahrplanmäßiger Betrieb ab 2023?

Nach Aufnahme der Strecke in den ÖPNV-Bedarfsplan und die Bereitstellung von Mitteln durch das Land Nordrhein-Westfalen für das rund 40 Millionen Euro-Projekt, könnte bei optimalem Verlauf der fahrplanmäßige Betrieb der WLE ab 2023 aufgenommen werden.

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