Protest in Rheda: „Fleischindustrie fährt vor die Wand“


Das Ende der industriellen Fleischerzeugung haben Tierschützer bei einer Protestkundgebung in Rheda prophezeit.

„In Gedenken an die Millionen Tiere, die jährlich bei Tönnies ermordet werden“, war auf dem Grabstein zu lesen, den die Tierrechtsaktivisten am Samstag vom Bahnhof bis zum Fleischwerk durch die Rhedaer Innenstadt zogen. Foto: Stephan

Rheda-Wiedenbrück (eph) - Evangelische Christen in aller Welt haben am Totensonntag ihrer in den vergangenen zwölf Monaten verstorbenen Angehörigen gedacht. Tierschützer eines regionalen Aktionsbündnisses nahmen den Gedenktag dagegen zum Anlass, auf den millionenfachen Tod von Tieren in der Ernährungsindustrie aufmerksam zu machen und dagegen zu protestieren.

„Diesen Tieren wurde alles genommen“

Wie schon in den beiden Jahren zuvor zogen sie einen Tag vor Totensonntag in einem Trauerzug vom Bahnhof durch die Rhedaer Innenstadt zum Fleischwerk Tönnies an der Gütersloher Straße. Etwa 40 Aktivisten, zum überwiegenden Teil Mitglieder vom Bielefelder Ableger der Organisation „Animal Save Movement“ und vom Gütersloher Verein „Fairleben“, hatten sich mit Einbruch der Dunkelheit auf dem Bahnhofsvorplatz eingefunden. Nach kurzen Ansprachen, in denen der Umgang mit den Tieren und die Arbeitsbedingungen der Menschen in der Fleischindustrie angeprangert wurden, setzte sich der Trauerzug in Bewegung. Außer Fackeln, Kreuzen mit und ohne Lichterketten sowie schwarzen Mahntafeln, die unter anderem zu Mitgefühl, Fürsorge, Gesundheit und Umweltschutz aufforderten, wurde auch ein Sarg mit der Aufschrift „Diesen Tieren wurde alles genommen“ mitgeführt. Begleitmusik wie das Requiem von Mozart oder Schuberts „Du bist die Ruhe“ unterstrichen die düstere Gesamtatmosphäre.

Unter den Augen der Polizei, die den Demonstrationszug mit einem Streifenwagen und zwei Motorrädern eskortierte, versammelten sich die Teilnehmer auf dem Rhedaer Rathausplatz zu einer Kundgebung. Hier ergriff der evangelische Pfarrer Friedrich Laker das Wort. Der aus Enger im Kreis Herford stammende und jetzt als Gemeindepfarrer in der Dortmunder Nordstadt wirkende Theologe setzt sich seit Ende der 1990er-Jahre unter anderem als Vorstandsmitglied der „Aktion Kirche und Tiere“ für das Tierwohl ein.

„Auch Schweine sehnen sich nach Wärme und Geborgenheit“

In bewegenden Worten erzählte der Geistliche, der sich aus Überzeugung vegan ernährt, die Lebens- und Leidensgeschichte der Schweinedame „Rosa“. Laker: „Es geht mir darum, dem Produkt Fleisch einen Namen zu geben. Auch Schweine sind Lebewesen, die sich nach Wärme, Sonne, Licht, Gemeinschaft und Geborgenheit sehnen. Das alles und damit auch ihre Würde nimmt man ihnen jedoch in einem engen Tiertransporter.“

Schweine und andere Nutztiere wollen die Demonstranten lieber leben lassen. Vor dem Bahnhof warben sie für vegane Ernährungsweisen.Pfarrer Laker, zum ersten Mal zu Gast in Rheda-Wiedenbrück, hält über kurz oder lang das Ende der Fleischindustrie für gekommen. „Das geht nicht mehr lange gut“, sagt er. „Das System fährt vor die Wand. Und das ist auch den Firmen bewusst.“

Aktivisten kritisieren sprachliche Schönfärberei

Auf dem Weg hin zum Tönnies-Fleischwerk legten die Tierrechtsaktivisten einen weiteren Stopp im Rosengarten der Flora Westfalica ein. Symbolisch legten sie hier – ebenso wie später vor dem Tönnies-Werkstor – eine Grabplatte nieder. Mit deren Inschrift gedachten sie der Millionen Tiere, die jährlich in Rheda-Wiedenbrück zu Tode kommen.

Eine besondere Aktualität erhielt die diesjährige Totensonntagsaktion der Tierrechtsaktivisten durch das Auftreten der Geflügelpest im Nachbarkreis Paderborn. Vor dem Hintergrund der von den Behörden veranlassten Massentötungen von Tieren wandte sich „Animal Save“-Mitglied Ute Esselmann gegen sprachliche Schönfärberei. Esselmann: „Wir sollten die Dinge beim Namen nennen, die Tötungsmethoden klar benennen und nicht länger von Keulen oder Schlachten sprechen.“ Tatsächlich würden die Tiere vergast – Enten mit Argon und anderes Geflügel wie Hühner oder Puten mit Kohlenstoffdioxid. Das sei die traurige Realität, sagte die Tierschützerin.

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