Radeln ohne Alter mit Wind in den Haaren



Ennigerloh (tiju) - „Jeder hat das Recht auf Wind in den Harren“ – das ist Motto und gleichzeitig Versprechen des vor zwei Jahren gegründeten Vereins Radeln ohne Alter. Er möchte mit Menschen, die nicht mehr selbst in die Pedale treten können, die Freude eines Fahrradausflugs mit E-Rikschas teilen.

Probefahrt in der E-Rikscha: Emma Konzik und Anton Meise drehten mit Natalie Chirchietti (v. l.) eine Runde auf dem Ennigerloher Marktplatz. 

Das Projekt gibt es mittlerweile in zahlreichen Städten Deutschlands. Nun soll es auf die 8Plus-Region im Kreis Warendorf ausgeweitet werden.

Zeit miteinander verbringen und kleine Abenteuer erleben 

Die Vereinsgründerinnen Caroline Kuhl und Natalie Chirchietti haben das Projekt am Mittwoch im Ennigerloher Rathaus Vertretern sozialer Einrichtungen sowie von Arbeitskreisen, Kommunen und der Politik vorgestellt.

Die Idee ist, Brücken zwischen Generationen zu bauen, gegenseitiges Vertrauen zu stärken sowie Senioren eine Abwechslung im Alltag und ein Gefühl von Freiheit zu bieten. Dabei gehe es nicht um die Fahrt zum Arzt, sondern zum Lieblingscafé, zum Karnevalsumzug oder zum Weihnachtsmarkt, erklärte Caroline Kuhl. „Es geht darum, Zeit miteinander zu verbringen und ein kleines Abenteuer zu erleben.“

Bereicherung für Ehrenamtliche und Senioren

Die mit einem Elektromotor ausgestatteten Rikschas, die der Verein in enger Zusammenarbeit mit einem Hersteller entwickelt hat, können von ein bis zwei Senioren beziehungsweise von gehandicapten oder mobilitätseingeschränkten Menschen genutzt werden. Begleitet werden sie dabei von Piloten – wie die ehrenamtlichen Rikschafahrer genannt werden –, die in die Pedale treten. Die Passagiere sitzen im vorderen Teil der Rikscha, nah am Piloten und nah am Geschehen. So seien Gespräche während der Fahrt möglich. „Der gemeinsame Ausflug bereichert Ehrenamtliche und Senioren“, sagte Natalie Chirchietti.

Davon konnten sich am Mittwoch unter anderem auch Emma Konzik und Anton Meise bei einer Probefahrt auf dem Ennigerloher Marktplatz überzeugen. „Die Fahrt war sehr gut“, sagte Meise anschließend.

Marion Schmelter: „Bei dem Projekt geht mit das Herz auf“

„Mir geht bei dem Projekt das Herz auf“, sagte Marion Schmelter, Inklusionsbeauftragte der Stadt, die zusammen mit Radeln ohne Alter, der Ennigerloher Verwaltung, der Akademie Ehrenamt sowie dem Verein 8Plus-Region zur Informationsveranstaltung ins Rathaus geladen hatte. „Es passt zu unserem Slogan ,Begegnung schaffen’“, erklärte Schmelter, die bereits in Kontakt mit einigen Einrichtungen in der Kernstadt und den Ortsteilen steht. „Sie haben großes Interesse.“

Die Initiative Radeln ohne Alter hat ihren Ursprung in Dänemark. Ole Kassow gründete sie 2012 in Kopenhagen. Cycling uden alder (Radeln im Alter) ist inzwischen fester Bestandteil von mehr als 111 Gemeinden in Dänemark. Weltweit gibt es Ableger in 40 Ländern. Caroline Kuhl und Natalie Chirchietti möchten die Initiative weiter in Deutschland vorantreiben. Derzeit gründen sie einen Dachverband von Radeln ohne Alter, dem sich Ortsverein anschließen können. Dieser unternimmt unter anderem die Ausbildung der Piloten sowie Kapitäne. Diese können dann vor Ort weitere Ehrenamtliche zu Rikscha-Fahrern ausbilden.

Weitere Informationen erhalten Interessierte mit einer E-Mail an info@radelnohnealter.de sowie auf der Internetseite des Vereins: www.radelnohnealter.de.

Standorte für die E-Rikschas könnten unter anderem Seniorenwohnheime, Stadtquartiere oder Dorfbüros sein.

„Schon seit Längerem gibt es die Idee, E-Rikschas anzuschaffen und diese in sozialen Einrichtungen und Gemeinschaften wie Seniorenwohnheimen oder Werkstätten für Menschen mit Behinderung zur Verfügung zu stellen“, sagte am Mittwoch Jana Uphoff, Regionalmanagerin der 8Plus-Region im Kreis Warendorf. Darüber hinaus sei ein Ausleihsystem zwischen den Einrichtungen – etwa für Ausflüge größerer Gruppen – angedacht.

Übergreifendes Projekt

Die Idee könnte als übergreifendes Projekt für interessierte Einrichtungen in den acht beteiligten Kommunen Beelen, Drensteinfurt, Ennigerloh, Oelde, Ostbevern, Sassenberg, Sendenhorst sowie den Warendorfer Ortsteilen attraktiv sein. So sei eine Förderung von bis 65 Prozent für die Anschaffung der 9400 Euro teuren E-Rikschas durch das Förderprogramm Vital.NRW möglich, erklärte Jana Uphoff. Der Eigenanteil von 35 Prozent könne kofinanziert werden. So habe unter anderem die Sparkasse ihre Unterstützung signalisiert, sagte Franz-Ludwig Blömker von der Akademie Ehrenamt in Warendorf.

In den kommenden Wochen soll bei Einrichtungen im Kreis, unterstützt durch die Kommunen, für Radeln ohne Alter geworben werden. Anschließend sollen E-Rikschas gesammelt bestellt werden. Geplant sei, das Projekt im Frühjahr kommenden Jahres durchzuführen, sagte Regionalmanagerin Jana Uphoff.

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