Raue Umgangsformen weit verbreitet



Rheda-Wiedenbrück (sud) - Ob mit der Ankündigung, eine Mauer zwischen den USA und Mexiko zu errichten, oder dem vorerst gestoppten Einreiseverbot für Bewohner von sieben islamischen Ländern: Kaum im Amt, hat der amerikanische Präsident Donald Trump bereits etlichen Menschen vor den Kopf gestoßen.

„Wir sind keine Puppenspieler“, sagt der Wiedenbrücker Diplom-Sozialpädagoge Klaus Weinrich über sich und die übrigen Anhänger der „Gewaltfreien Kommunikation“. Der 58-Jährige hat in den Medien und im Alltag eine Verrohung der Sprache festgestellt.

Der Sprachstil des Obama-Nachfolgers im Weißen Haus ist nach Einschätzung des Wiedenbrücker Kommunikations- und Mediationstrainers Klaus Weinrich „insgesamt von wenig Einfühlungsvermögen und geringer Wertschätzung des Gegenübers gekennzeichnet“. Der Diplom-Sozialpädagoge hat mehrere Auftritte Trumps analysiert. Bewertend, abwertend und bisweilen sogar verurteilend kommuniziere der US-Präsident insbesondere mit Gesprächspartnern, die nicht seiner Meinung seien.

Verrohung der Sprache

Der Trend zur Verrohung der Sprache sei indes eine globale Entwicklung und keine, die nur am neuen mächtigsten Mann der Welt festzumachen sei. „Ob im Privatbereich, im Arbeitsleben oder in der Öffentlichkeit: Wir neigen immer häufiger zu einem aggressiven oder fordernden Sprachgebrauch“, sagt Klaus Weinrich. Neue Medien machten die Sache nicht besser. „In der Anonymität des Internets fällt es vielen von uns noch leichter, die Grenzen des Anstands zu übertreten“, erläutert der Kommunikationstrainer. Klare Ansagen kennt er vor allem aus Chatprogrammen wie „Whats App“ oder sozialen Netzwerken wie „Facebook“. Überall dort, wo man sich nicht von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehe, sei der Hang zu raueren Umgangsformen deutlich ausgeprägt.

Grenzen des Gegenübers achten

Einen Gegenentwurf hat bereits in den 1960er-Jahren der amerikanische Psychologe Marshall B. Rosenberg entwickelt. Sein Prinzip der „Gewaltfreien Kommunikation“ (GFK) steht bis heute als Möglichkeit zur friedlichen Konfliktlösung bei vielen Experten hoch im Kurs. Auch Klaus Weinrich, der in Wiedenbrück seit 2008 als selbstständiger Mediator arbeitet, wendet die Methode in seiner Praxis an. „Bei der GFK geht es darum, seinen Wünschen Ausdruck zu verleihen, ohne die Grenzen des anderen zu verletzen“, erläutert er. Die Rosenberg-Theorie basiere auf der Annahme, dass eine einfühlsame, gefühlsbetonte Kommunikation zielführender sei als die stringente „Basta-Methode“. „Im tiefsten Inneren möchte sich doch jeder von uns verstanden wissen und mitgenommen fühlen“, sagt Klaus Weinrich. „Wer hingegen mit Vorwürfen und Unterstellungen konfrontiert wird, macht meistens sofort dicht.“

Wolf oder Giraffe?

Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte sind die vier Grundpfeiler der von Marshall B. Rosenberg entwickelten „Gewaltfreien Kommunikation“ (GFK). Empathie, also der Zugang über die Gefühlsebene, ist nach Auffassung des im Jahr 2015 verstorbenen Psychologen eine unentbehrliche Voraussetzung für eine gelingende Kommunikation. In der friedlichen Konfliktlösung nach der GFK-Methode spielen zwei Tiere eine wichtige Rolle: Giraffe und Wolf. Sie kommen in Therapiesitzungen als Handfiguren zum Einsatz, auch in der Praxis von Klaus Weinrich. „Trotzdem sind wir keine Puppenspieler“, unterstreicht der Diplom-Sozialpädagoge. Die Giraffe sei ein Symbol für eine Kommunikation ohne Gewalt. Der lange Hals stehe für ihre Weitsicht, und der Umstand, dass sie das größte Herz aller Landsäugetiere besitze, für ihr Mitgefühl, sagt der 58-Jährige. Der Wolf hingegen sei Sinnbild für eine konfliktbeladene Kommunikation mit Bewertungen, Vorverurteilungen und Mutmaßungen, sagt Klaus Weinrich.

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