100 Jahre DJH - kein bisschen vertaubt
Bild: Patric Fouad/DJH
Mit frischen Ideen in die Zukunft: Die erste mobile Jugendherberge in einem Bus machte im August bei dem Techno-Festival „Sonne, Mond, Sterne“ im thüringischen Saalburg Station.
Bild: Patric Fouad/DJH

Die Schau „Werte, Wandel, Weltweit – das Deutsche Jugendherbergswerk“ ist Samstag und bis zum 5. Januar 2020 zu sehen. „Wir sind viel mehr als ein Bettengeber. Bei uns geht es um Gemeinschaft, Internationalität und Inklusion“, sagt Julian Schmitz, DJH-Hauptgeschäftsführer. Die Schau solle verdeutlichen, wie sich der Wertekanon des Verbands gewandelt habe. Erzählt wird anhand der fiktiven Herbergsleiter Andrea und Kai, die den Besucher auf Schautafeln durch die 480 Quadratmeter große Ausstellung führen. „Wir haben das Storytelling-Konzept aufgegriffen und wollen emotionale Geschichten erzählen“, berichtet Dr. Martin Dröge, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Paderborn. 

Frische Ideen

So greifen die Macher im ersten Teil die Wurzeln des Herbergswesens auf. Gezeigt wird der Rucksack des Altenaer Lehrers Richard Schirrmann, der 1909 die Idee hat, ein Netz von Jugendherbergen aufzubauen. Zehn

„Werte, Wandel, Weltweit – das Deutsche Jugendherbergswerk“ heißt die neue Sonderausstellung im Lippischen Landesmuseum in Detmold, zu der (v. l.) Arne Brand (Landesverband Lippe), Julian Schmitz (DJH-Hauptgeschäftsführer), Dr. Martin Dröge (Uni Paderborn), Dr. Michael Zelle (Museumsleiter), Julia Fiege und Sven Siemon (beide Uni Paderborn) einladen.
Jahre später wird der DJH als reichsweiter Verband auf Burg Altena (Märkischer Kreis) gegründet, ehe er ab 1933 in einer Sackgasse steckt: Die Nazis ordnen das DJH der Hitlerjugend unter und funktionieren Herbergen später zu Lazaretten und Lagern um, wie Sven Siemon, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Paderborn, berichtet. Nach dem Krieg setzt sich das DJH für die Völkerverständigung mit Israel ein und organisiert vielfältige Austauschprogramme. Symbolisch verdeutlicht ein Schallplattenspieler als Exponat die gesellschaftliche Öffnung, die in den 1960er-Jahren die Herbergen erfasst. Bis dahin musizieren die Gäste abends selbst, nun eröffnen Herbergseltern Beat-Discos – ein idealer Ort für den ersten Kuss. „Auch wenn es Widerstände gab: Die Herbergen wurden moderner“, sagt Siemon. Heute zeigt sich die Wandlung eindrucksvoll anhand der Pop-Up-Jugendherbergen. So entsteht zur Spielemesse Gamescom 2018 in Köln ein kleines Dorf mit 80 Betten für junge Besucher. Vor drei Wochen macht die erste mobile Jugendherberge der Welt auf dem Techno-Festival „Sonne Mond, Sterne“ in Saalburg (Thüringen) Halt – auf die zwölf Plätze in dem umgebauten Bus gibt es tausende Bewerbungen. Seiner gesellschaftlichen Verantwortung wird das Deutsche Jugendherbergswerk in vielfältiger Weise gerecht: So finden in den Jahren 2015 und 2016 geflüchtete Familien in vielen Herbergen eine Unterkunft – so etwa in Horn Bad-Meinberg (Kreis Lippe). Auch der Natur- und Umweltschutz spielt eine wichtige Rolle für Jugendherbergen, wie in der Ausstellung „Werte, Wandel, Weltweit – das Deutsche Jugendherbergswerk“ im Lippischen Landesmuseum Detmold deutlich wird. Besucher können etwa im Spiel „Fleisch oder Fahrrad?“ ermitteln, wie es um ihr nachhaltiges Handeln steht. Beim „Werte-Boccia“ lässt es sich schließlich über Grundsätzliches nachdenken. Auf den Kugeln prangen Begriffe wie Würde, Respekt und Fairplay, über die sich Besucher während des Mitmach-Spiels austauschen können.

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